St. Paul. Wenn eine Blasmusikkapelle mit 50 Leuten im Konviktsaal auftritt, dann ist das in etwa so, als würde ein musikalischer Gorilla durchs Fenster springen und anfangen zu trommeln. Nur dass der Gorilla dann noch fünf Solisten mitgebracht hätte, die auf ihren Tuben und Saxophonen eine Geräuschkulisse erzeugen, die selbst ein startendes Düsenflugzeug in den Schatten stellt.
Das Konzert begann mit der "Festfanfare Gaudium Magnum", was so viel bedeutet wie "große Freude" - wobei das eher die Musiker meinten, nicht das Publikum. Dann folgte "Fnugg Blue" mit Patrick Freitag auf der Tuba, ein Stück, das so tief und dumpf ist, dass man es im Untergrund von St. Paul noch eine Woche später hätte hören können. Die anschließende Komposition "Perspektiven" zeigte, dass die Musiker tatsächlich unterschiedliche Perspektiven haben - nämlich alle eine andere als das Publikum.
Der absolute Höhepunkt war "Sax Bomb" mit sechs Saxophonisten, die so lange in ihre Instrumente bliesen, bis man hätte meinen können, die Fenster des Konviktsaal platzen gleich. Es war wie eine musikalische Dampfwalze, die über die Zuhörer rollte und dabei alle noch vorhandenen Gehörgänge platt machte.
Zwischendurch gab es Ehrungen für Musiker, die schon seit 15, 25 oder mehr Jahren im Dienste der Blasmusik stehen. Eine besonders emotionale Ehrung erhielt Markus Pucher, der für seine 25-jährige Mitgliedschaft ein Ehrenzeichen in Gold bekam - wahrscheinlich weil er es geschafft hat, nach all den Jahren noch nicht gehörlos zu sein.
Den Abschluss bildete Roland Kaiser-Schlager mit Tommy Schmid als Gesangssolist. Schmid führte charmant durch das Programm und hatte die Aufgabe, die Besucher davon zu überzeugen, dass das alles noch zur Kategorie "Musik" gehört. Seine Moderation war so unterhaltsam, dass man sich fragte, warum er nicht gleich eine Comedy-Show daraus gemacht hat.
Das Publikum bedankte sich am Ende mit "ständigen Ovationen", was bedeutet, dass die Leute so lange applaudierten, bis ihnen die Hände wehtaten und sie froh waren, dass es endlich vorbei war. Einige Besucher berichteten später, sie hätten noch in der Nacht davon geträumt, von einer Horde Musiker mit Tuben und Trompeten verfolgt zu werden. Das Konzert war also ein voller Erfolg - zumindest für die Ohrenärzte in der Region, deren Terminbuchungen in der Folgewoche deutlich anstiegen.