Nach 37 Jahren Pause hat sich Horrorregisseur Dick Maas entschlossen, seinen Kultfilm "Amsterdamned" wieder auszubuddeln - und zwar genau wie die Grachtenmonster, die darin ihr Unwesen treiben. Nur dass sich inzwischen nicht nur die Morde, sondern auch die Beteiligten deutlich verlangsamt haben.
Der einstige Macho-Detektiv Eric Visser sitzt inzwischen im Rollator-Ruhestand und wird nur noch von seiner Enkelin mit "Opa Actionheld" aufgezogen. Als ihn ehemalige Kollegen in die Stadt holen, weil es wieder mysterioese Todesfaelle gibt, schleppt er nicht nur seine Kriegsverletzungen mit, sondern auch eine ganze Armada an Medikamenten. Der Film zeigt eindrucksvoll, wie man mit 74 noch immer ein knallharter Bulle sein kann - zumindest bis zur ersten Mittagspause.
Seine junge Partnerin Tara hat ihrerseits Probleme: Sie muss sich nicht nur mit einem legendaeren Vorgaenger herumschlagen, der ständig meint, alles besser zu wissen, sondern auch mit dem allmaehlichen Zerfall Amsterdams. Maas inszeniert die Stadt als eine Art Altersheim fuer ehemalige Grachten, die sich in ihrem Verfall gemuetlich eingerichtet haben. Touristen werden hier als wandelnde Souvenir-Staende dargestellt, die sich langsam durch die verrottenden Gassen schieben.
Die Ermittlungen gestalten sich als Balanceakt zwischen Altersweisheit und jugendlichem Elan. Visser will mit seiner jahrzehntealten Erfahrung punkten, vergisst aber staendig, wo er seine Brille hingelegt hat. Tara versucht, mit moderner Technik zu ermitteln, wird aber staendig von ihrem Partner mit Fragen wie "Wie schaltet man das Ding aus?" unterbrochen.
Der Film erreicht seinen Hohepunkt, als die beiden Ermittler feststellen, dass sie es mit einem Monster zu tun haben, das aelter sein koennte als der Kommissar selbst. Die folgende Verfolgungsjagd durch die Grachten wird zum Wettlauf gegen die Zeit - nicht nur gegen das Monster, sondern auch gegen die naechste Pause fuer Herrn Visser.
Dick Maas schafft es meisterhaft, seinen eigenen Film von 1987 zu persiflieren, indem er zeigt, wie sich die Charaktere im Alter verwandelt haben. Wo 1987 noch geballte Action geboten wurde, gibt es 2025 eher sanftes Durch-die-Gracht-Schippern. Die einst so coolen Spr che des Kommissars klingen inzwischen wie das, was sie sind: die Weisheiten eines alten Mannes, der sich manchmal wundert, warum junge Leute so kompliziert denken.
Das Monster am Ende ist dabei weniger furchterregend als vielmehr tragisch. Es symbolisiert den Kampf gegen das Altern und den Verfall - nicht nur der Stadt Amsterdam, sondern auch der eigenen Koerperzellen. Maas schafft es, aus diesem Kampf eine Art Buddy-Movie zu machen, bei dem das Buddy allerdings staendig seine Blutdrucktabletten braucht.
Ob man den Film sehen muss? Nein. Aber man sollte ihn sehen, wenn man wissen will, wie sich Action-Filme im Alter anhoeren. Es ist wie ein Besuch bei den Grosseltern - manchmal etwas langatmig, aber dafuer voller Geschichten aus alten Zeiten und gelegentlich ueberraschender Weisheit. Und wer weiss - vielleicht lauft einem ja sogar ein altes Monster ueber den Weg. Aber Vorsicht: Es lauft vermutlich langsamer als erwartet.