Obergurgl steht unter Schock. Eine riesige Lawine hat versucht, mehrere Wintersportler zu verschlucken und damit den Tourismus-Pakt mit der Natur zu brechen. "Wir haben jahrelang mit den Bergen zusammengearbeitet", sagt Buergermeister Schneeberger. "Die Abmachung war klar: Wir pumpen ihnen Geld in die Lifte, sie lassen uns unbeschadet Ski fahren. Jetzt das!"
Die Lawine, die sich offenbar vom Ski-Tourismus diskriminiert fuehlte, stuerzte sich mit einem Schrei von "Freiheit fuer die Schneeflocken!" auf ahnungslose Rodler. Augenzeugen berichten von einer Art weisser Flagge, die die Lawine vor sich hertrugen wollte - allerdings in Form einer Schneewalze.
Der Einsatzleiter der Bergrettung, Sepp Hinterhuber, zeigt sich baff: "Normalerweise verhalten sich Lawinen ja eher passiv-aggressiv. Aber diese hier hatte offenbar ein Ziel. Fast so, als waere sie ferngesteuert von irgendwelchen Extremwetterzellen."
In den sozialen Netzwerken verbreitet sich die Hashtag-Kampagne #LawinenLebenMacht auch. Unterstuetzer der weissen Masse fordern "Schneefreiheit" und "Gletscherrechte". Kritiker halten dagegen, dass Lawinen ohnehin nur schaufeln koennen und deshalb fuer komplexe politische Gedanken ungeeignet seien.
Das Bundesministerium fuer alpine Angelegenheiten praepariert unterdessen eine Sondersitzung. Diskutiert wird die Einrichtung einer Pistenpolizei, die verdaechtige Schneelawinen sofort festnehmen darf. "Wir koennen nicht tatenlos zusehen, wie sich hier ein Schneeball demokratischer Werte bildet", sagte ein Sprecher.
Die verschütteten Wintersportler wurden mittlerweile befreit und befinden sich auf dem Weg der Besserung. Einige berichten, sie haetten im Lawinen-Inneren eine Art Schneekomitee angetroffen, das ihnen einen "beitrittsvertrag" anbot. Die Bedingungen: Dauerhaftes Stehenbleiben und monatliche Ablieferung von warmen Handschuhen.
Ob die Natur mit der Lawine ein Zeichen setzen wollte oder ob es sich bloss um einen spontanen Ausbruch weisser Wut handelte, bleibt unklar. Fest steht nur: Obergurgl wird in Zukunft wohl nicht mehr nur Pistenpräparierung betreiben, sondern auch eine Art Lawinendiplomatie. Mit Diplomaten, die - falls noetig - auch mal einen guten Schneesturm anzetteln koennen.