In einer beispiellosen Geste von Grossmacht-Possen hat sich Oesterreich zur "Schutzmacht" von Sudtirol erklaert. Wie eine ueberforderte Babysitterin, die dem unartigen Kind sagt, es solle aufhoeren, Italien zu aergern, hat Bundeskanzler Stocker den Hut aufgesetzt und gesagt: "Ich pass auf die Kleinen auf!"
Die Reaktion in Bozen war verhalten euphorisch. Lokale Politiker versteckten schnell ihre Alpen-Dudelsaecke und traten in nationaler Tracht vor die Kameras. "Endlich ein starker Mann, der uns den Ruecken staerkt!" frohlockte ein sudstaedtler Buergermeister, der sich schon in diplomatischer Mission nach Wien sah. Inoffiziell wurden bereits Anfragen gestellt, ob die neue Schutzmacht auch fuer die Beschaffung von gesalzenem Speck und Suedtiroler Wein zustaendig sei.
In Rom zeigte man sich weniger amuesiert. "Schutzmacht? Wir schuetzen unsere Pizza vor dem Anschneiden, nicht unsere Provinzen vor Oesterreich", liess ein Regierungssprecher verlauten. Die italienische Regierung kündigte an, dass man "geeignete Massnahmen" ergreifen wuerde, sollte Oesterreich weiterhin mit seinen Schutzmacht-Ambitionen "die gute nachbarschaftliche Zusammenarbeit" stoeren.
In Wien versucht man derweil, die diplomatische Eskalation mit Humor zu nehmen. "Wir wollten doch nur mal zeigen, dass wir immer noch eine Rolle spielen", sagte ein hochrangiger Diplomat. "Wenn die Italiener schon immer so empfindlich sind, hätten sie uns halt nicht mit ihrem 'Schutzmacht'-Gebaren in Bosnien-Herzegowina anstecken sollen."
Unterdessen fragt sich halb Europa, ob Oesterreich als naechstes den Status als "Schutzmacht" fuer die Vorarlberger Lederhosengemeinden fordern wird. Oder ob man in Klagenfurt den Karntner Abwehrkampf gegen Slowenien wieder aufleben lassen will. Die EU-Kommission bereitet sich auf eine Welle von Regional-Anspruechen vor und hat bereits einen Krisenstab eingerichtet, der sich mit der Frage beschaeftigt, ob "Schutzmacht" ein ansteckendes Meme ist oder eine ernsthafte Bedrohung der staatlichen Souveraenitaet.
In Sudtirol selbst wurde der Schutzmacht-Status mit gemischten Gefuehlen aufgenommen. Waehrend die einen bereits von einem unabhaengigen Suedtiroler Staat träumen, fuerchten andere, dass Oesterreich am Ende doch nur seine eigenen Interessen verfolgt. "Erst sagen sie uns, wir seien autonom, dann schicken sie uns ihre Beamten und sagen, wir seien jetzt Teil von Oesterreich", meinte ein suedoesterreichischer Geschaeftsmann. "Ich will meine Pizza, ohne dass mir jemand sagt, wie ich sie schneiden soll."
In diplomatischen Kreisen wird bereits ueber einen Kompromiss nachgedacht: Oesterreich koennte seinen Schutzmacht-Status aufgeben, wenn Italien im Gegenzug garantiert, dass niemand mehr in Oesterreich nach seinem Pass fragt. Bis dahin bleibt die Lage angespannt, und die sudstaedtler Landeshauptleute üben schon mal den Knicks fuer den Empfang beim oesterreichischen Bundespraesidenten.