Österreich hat einen neuen Helden der Abbiegespur. Ein 70-jähriger Amstettener wollte am Donnerstagabend beweisen, dass man auch im besten Autofahreralter noch die Kunst des Ignorierens von Rechts-vor-Links beherrschen kann. Leider hatte die Verkehrsplanung etwas dagegen.
Der Mann war auf der L1402 unterwegs, als er beschloss, dass der kommende LKW wohl nur eine optische Täuschung sein müsse. Eine durchaus verständliche Fehleinschätzung, schließlich ist in Österreich Verkehrstheorie eher ein optionales Schulfach. Der 62-jährige slowakische LKW-Lenker versuchte noch auszuweichen, was in etwa so sinnvoll war wie das Ausweichen vor einem Steinschlag mit einem 40-Tonner.
Die Kollision war so heftig, dass der Kleintransporter eine Flugbahn einschlug, die selbst passionierte Formel-1-Fans beeindruckt hätte. Die Fahrertür wurde so stark eingedrückt, dass selbst ein Banktresor neidisch geworden wäre. Die Freiwillige Feuerwehr Enns musste den Mann befreien, was in etwa so viel bedeutet wie: "Wir mussten ihn mit hydraulischem Rettungsgerät aus seinem Blechkäfig befreien, weil die Straßenplaner es versäumt hatten, eine vernünftige Abbiegespur zu bauen."
Die Rettungskette lief "herausragend schnell" an, was in der Praxis bedeutet, dass die Ersthelfer schneller vor Ort waren als die meisten Österreicher bei der jährlichen Steuererklärung. Trotz dieser olympiareifen Reaktionszeit konnte der Notarzt nur mehr den Tod feststellen. Ein tragisches Ende für einen Mann, der offenbar dachte, die Regeln der Physik seien eher als Empfehlung zu verstehen.
Die Polizei Oberösterreich sprach anschließend von einem "Unfall mit tödlichem Ausgang", was in etwa so viel bedeutet wie: "Wir haben es wieder einmal geschafft, dass ein Mensch an einer Kreuzung zum Verkehrstotop wird." Die Tragödie zeigt einmal mehr: In Österreich ist die gefährlichste Stelle nicht die Autobahn, sondern die Kreuzung, wo sich Theorie und Praxis des Verkehrsrechts auf die spektakulärste Weise treffen.