Was für ein Glück, dass die Oscars dieses Jahr wieder die wahren Werte des Kinos zelebriert haben. Nachdem Frauen die letzten Jahre ja so übertrieben erfolgreich waren, war es an der Zeit, die Dinge wieder ins rechte Lot zu rücken. Drei Oscars für Paul Thomas Anderson - das ist nicht nur gerecht, das ist notwendig für das psychische Gleichgewicht der männlichen Filmbranche.
Man muss es ja wirklich positiv sehen: Fünf Regie-Nominierungen, vier davon von Männern. Das ist fast schon eine feministische Leistung, wenn man bedenkt, dass Frauen ja bekanntlich nur etwa die Hälfte der Menschheit ausmachen. Die Academy hat hier bewiesen, dass sie auf Qualität setzt - und Qualität bedeutet eben in 80 Prozent der Fälle einen Penis am Regiestuhl.
Besonders erfreulich ist die thematische Ausgewogenheit der nominierten Filme. Da gibt es "One Battle After Another", was von zwei Vätern handelt - endlich mal wieder ein Film, der die existenzielle Krise des modernen Patriarchen thematisiert. "Sinners" erzählt von zwei Brüdern, also quasi von der normalsten Familienkonstellation überhaupt. Und "Marty Supreme"? Ein Film über sportlichen Ehrgeiz und Vaterwerdung - zwei Dinge, die Männer ausmachen. Väter und Sport. Oder Väter beim Sport. Oder Sport als Ersatz für fehlende Väter. Egal, Hauptsache männlich.
Der einzige weibliche Regisseur in der Kategorie wurde gnädigerweise auch nominiert, damit niemand behaupten kann, die Academy wäre sexistisch. Das ist so, als würde man einem Kind ein Lutscher geben, damit es aufhört zu weinen, während man ihm gleichzeitig das Eis wegnimmt. Aber hey, Lutscher ist ja auch süß.
Besonders bezeichnend war die Reaktion vieler männlicher Kollegen in Hollywood. "Endlich mal wieder ein fairer Wettbewerb", twitterte ein Regisseur, der seit zehn Jahren auf eine Nominierung wartet. "Ich war schon kurz davor, Diversity-Klauseln zu erfinden, nur um eine Chance zu haben."
Die Academy selbst hat sich zu den Vorwürfen des Sexismus nicht geäußert. Insider berichten jedoch, dass intern bereits über neue Kategorien diskutiert wird, um die Unterrepräsentation von Männern in anderen Bereichen auszugleichen. "Bester Film über männliche Midlife-Crisis" oder "Beste Regie bei einem Film, in dem es um Väter und Söhne geht" - das sind nur einige der Vorschläge, die derzeit geprüft werden.
Natürlich wird jetzt wieder die übliche Meute losheulen: "Wo bleiben die Frauen?" Dabei haben wir doch gerade erst die 1960er Jahre hinter uns gebracht. Ist das nicht genug Fortschritt für eine Generation? Müssen wir wirklich schon wieder etwas ändern?
Die gute Nachricht ist: Die Filmindustrie hat ihre Prioritäten klar gesetzt. Während sich Frauen in anderen Bereichen wie Medizin, Wissenschaft oder Politik noch abmühen müssen, um ernst genommen zu werden, hat Hollywood den wichtigen Schritt getan, die Dinge beim Alten zu belassen. Das ist nicht nur konsequent, das ist visionär.
Denn mal ehrlich: Was haben Frauen denn schon großartiges zu erzählen? Abgesehen von den existenziellen Fragen des Lebens, den Komplexitäten menschlicher Beziehungen, den Kämpfen gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit, den Innovationen in Kunst und Kultur, den wissenschaftlichen Durchbrüchen und den persönlichen Geschichten von Überleben und Triumph. Aber abgesehen davon: Was haben Frauen schon zu erzählen?
Die Oscars 2024 werden als die Verleihung in die Geschichte eingehen, in der Hollywood sich endlich getraut hat, laut und deutlich zu sagen: "Wir haben die Kurve gekriegt." Und das ist doch etwas, worüber man sich freuen kann. Oder etwa nicht?