Die Landjugend Kirchschlag hat offenbar beschlossen, die Ostertradition mit einem neuen Konzept zu revolutionieren. Während andere Vereine sich mit Palmbuschenbinden und Eierfärben beschäftigen, richtet sich die Theatergruppe auf etwas deutlich Intensiveres ein. Drei Aufführungen an drei aufeinanderfolgenden Tagen - das klingt weniger nach besinnlicher Ruhe als nach Marathon der theatralischen Grausamkeiten.
Das Stück "Bis(s) zum Herzinfarkt" verspricht offenbar eine Mischung aus Grusel, Romantik und territorialen Konflikten, die selbst Hollywood-Regisseure beeindrucken würde. Drei Ehepaare nach einem "Dracula"-Kinoabend - das ist wie die Einleitung zu einem schlechten Witz oder einem noch schlechteren Beziehungsratgeber. Man fragt sich ernsthaft, ob die Filmwahl vorhersehbar war oder ob hier jemand eine klare dramaturgische Vision verfolgt.
Der Plot verdichtet sich dann zur Komödie der Irrungen und Wirrungen: Frauen hinter Brombeerhecken, Männer mit Racheplänen und ein neuer Nachbar, der offenbar keine Ahnung hat, in welche Fänge er gerät. Die Männer beschließen, ihrem Nachbarn den Auftrag zu erteilen, sich als Graf Draco auszugeben. Das ist wie wenn man seinen Nachbarn bittet, sich als Außerirdischer zu verkleiden, um die Kinder zu erschrecken - nur dass hier die Kinder ausgewachsen und verheiratet sind.
Der Turnsaal der Volksschule Kirchschlag wird zum Schauplatz dieses Dramas. Man kann sich die Szene lebhaft vorstellen: Eine kleine Gemeinde, ein überfüllter Turnsaal, der nach Turnschuh und Nervosität riecht, und 150 Zuschauer, die darauf warten, dass die Untoten-Show beginnt. Die Reservierungshotline unter der Nummer 0664/93290380 wird wohl ähnlich frequentiert sein wie die Notfallnummer des örtlichen Krankenhauses nach der Premiere.
Die Aufführungstermine sind bemerkenswert durchdacht: Karfreitag, Ostersonntag und Ostermontag. Das ist wie wenn man einen Gruselfilm-Marathon auf den Heiligabend legt - es passt einfach nicht zusammen, aber es funktioniert trotzdem. Die Landjugend hat offenbar erkannt, dass die Menschen nach drei Tagen Theaterdauerstress genau die richtige Stimmung für den Osterhasen haben.
Man fragt sich, ob die Theatergruppe sich der Tragweite ihres Vorhabens bewusst ist. Hier wird eine kleine Gemeinde für drei Tage zum Epizentrum der österreichischen Amateur-Theater-Szene. Die Schauspieler müssen sich nicht nur ihre Texte merken, sondern auch die richtige Dosis an Grusel und Komik finden. Zu viel Biss und die Zuschauer rennen schreiend davon, zu wenig Biss und das Stück wird zur Langeweile.
Die Logistik allein ist schon beeindruckend: drei Aufführungen, verschiedene Zeiten, Reservierungssystem, und das alles von einer Gruppe junger Leute, die wahrscheinlich noch nie ein Theaterstück dieser Größenordnung auf die Beine gestellt haben. Das ist wie wenn man eine kleine Familie beschließt, ein Fünf-Gänge-Menü für 150 Gäste zu kochen - es wird interessant, aber wahrscheinlich auch chaotisch.
Am Ende bleibt die Frage: Was passiert, wenn der Streich nach hinten losgeht? Wenn Graf Draco tatsächlich zu einem Untoten wird und die drei Frauen sich nicht mehr hinter der Brombeerhecke verstecken, sondern mit ihm gegen die Ehemänner kämpfen? Die Landjugend Kirchschlag könnte hier eine neue Theatertradition begründen - oder zumindest für drei Tage für Aufsehen sorgen, das weit über die Gemeindegrenzen hinausgeht.