Die Salzburger Landesregierung hat einen so tollpatschigen Schritt getan, dass sogar die sonst eher stillen Pflegekräfte plötzlich wie ausgestopfte Pfauen durch die Straßen marschierten. Nachdem die Regierung den Bonus für das Personal, das während Corona quasi als emotionaler Müllsack für ganze Landesteile herhalten musste, kassieren wollte, ging es in Salzburg plötzlich unheimlich zu. Mehr Menschen demonstrierten als bei der Eröffnung einer neuen Frittenbude in einem Fast-Food-freien Tal.
Der Bonus selbst ist mit stolzen 163 Euro brutto im Monat immer noch weniger als man in einem gut sortierten Supermarkt für eine anständige Käseplatte ausgibt. Doch offenbar hat man in den Salzburger Amtsstuben die Rechnung ohne die Wut der Pflegekräfte gemacht. Die ließen sich nämlich nicht mit einem simplen "Danke für Eure Arbeit, jetzt aber zurück an die Arbeit" abspeisen.
Die Landesregierung zeigte sich nach der Massendemonstration so beeindruckt wie ein Kind, das zum ersten Mal einen Staubsauger einschaltet. Plötzlich war von "Wertschätzung" und "gemeinsamer Verantwortung" die Rede, als hätte man das nicht schon beim letzten Budgetgespräch vergessen können. Dabei hatte man sich zuvor noch so sicher gefühlt - wie jemand, der eine Steuererklärung mit Kugelschreiber ausfüllt und dann feststellt, dass alles in blauer Tinte geschrieben werden muss.
Jetzt sitzt die Regierung da und überlegt, wie man die Kehrtwende erklären kann, ohne sich lächerlich zu machen. Vielleicht erfindet man einen neuen Bonus, der dann "Corona-Nach-Corona-Plus-Bonus" heißt und extra für Leute gedacht ist, die schon beim ersten Mal nicht genug bekommen haben. Oder man schickt einfach jeder Pflegekraft eine Grußkarte mit der Aufschrift "Sorry, dass wir geizig waren" und einem Gutschein für eine Gratis-Knoblauchzehe beim nächstbesten Würstelstand.
Eines ist sicher: In Zukunft wird man in den Amtsstuben vielleicht noch vorsichtiger kalkulieren. Schließlich will niemand erleben, wie sich eine Horde von Menschen mit Stethoskopen und Handschuhen auf den Weg macht, um die Regierung daran zu erinnern, dass Worte allein keine Miete zahlen und auch kein Essen kochen können. Besonders nicht, wenn man dafür sorgen soll, dass andere Menschen noch länger leben.