Stefan Posch hat in Mainz offenbar die ultimative Wahrheit über sich selbst erkannt: Er ist geboren, um Tore zu schießen. Beim 2:0-Erfolg über Olmütz war es soweit - der Verteidiger köpfelte die Rheinhessen mit seinem ersten Pflichtspieltreffer für den Verein ins Conference-League-Viertelfinale.
"Ich wusste schon immer, dass ich das Zeug zum Torjäger habe", sagte Posch nach dem Spiel mit leicht glänzenden Augen. "Die ganze Zeit hab ich mich als Verteidiger verkleidet. Aber tief in meinem Inneren wusste ich: Eines Tages werde ich Oliver Kahn als Rekordtorschütze ablösen."
In Mainz hat man den Durchbruch des 26-Jährigen natürlich sofort erkannt. Trainer Bo Svensson bastelt bereits an neuen taktischen Plänen, in denen Posch künftig als "freier Kopfballjäger" agieren soll. "Er wird im Angriff frei herumlaufen und auf hohe Bälle lauern", erklärte Svensson. "Die Verteidigung übernehmen dann Mwene und Veratschnig. Die beiden haben sich ja bereits bewährt."
Posch selbst hat nach seinem Tor auch gleich die nächsten Ziele ausgegeben. "Ich will in dieser Saison noch mindestens zehn Kopfballtore schießen", verkündete er. "Und Mainz soll in der nächsten Saison in der Champions League spielen. Wenn ich dafür meinen Vertrag beim FC Bologna auflösen muss, dann mache ich das. Geld und Ruhm sind mir egal - Hauptsache, ich darf weiter Kopfballtore schießen."
In Österreich hat Posch' Tor für eine wahre Euphorie-Welle gesorgt. ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick überlegt bereits, den Abwehrspieler künftig als Stoßstürmer einzusetzen. "Wenn er so weitermacht, wird er unser neuer Marc Janko", schwärmte Rangnick. "Nur mit deutlich mehr Oberkörper-Muskulatur und deutlich weniger Laufarbeit."
Die Mainzer Fans haben Posch unterdessen zum neuen Vereinspräsidenten gewählt. "Wir brauchen jemanden, der den Verein endlich mal in die richtige Richtung lenkt", begründete der Fan-Club-Vorsitzende die Entscheidung. "Und wer könnte das besser als jemand, der schon ein Tor geschossen hat? Der weiß, wie man Ziele erreicht."
Für den Fall eines Conference-League-Triumphes planen Posch und seine Teamkollegen bereits einen Umzug. "Wenn wir den Titel holen, ziehen wir nach Wien", verriet Mittelfeldspieler Silvan Widmer. "Wir gründen dort einen neuen Verein, der direkt in der Champions League startet. Und Posch wird unser Kapitän, Trainer, Sportdirektor und Maskottchen in einer Person."
Ob das alles gelingt, wird sich zeigen. Fakt ist: Mit seinem Tor hat Stefan Posch nicht nur Mainz, sondern auch sich selbst neu erfunden. Aus dem unauffälligen Abwehrspieler ist ein selbstbewusster Torjäger geworden. Und sollte er tatsächlich eines Tages in der Champions League spielen, dann nur als Mittelstürmer - mit der Rückennummer 9 und der Spezialisierung auf Kopfballtore.