Wenn man die Stellenanzeige eines Wiener Wellnesshotels für eine Reinigungskraft liest, könnte man meinen, man habe es mit einem esoterischen Kult zu tun, der dringend neue Mitglieder für die innerste Putz-Riege sucht. "An Sauberkeit und Hygiene stellen Sie hohe Ansprüche" - ja, wer das nicht tut, ist als Spa-Reinigungskraft wohl fehl am Platz. Man stelle sich den Horror vor: ein Mitarbeiter, der die Vorstellung hat, dass in den Saunabänken vielleicht auch mal ein paar Bakterien überleben dürften.
Die Anzeige verspricht "langfristigen, sicheren Arbeitsplatz" - was in Zeiten der wirtschaftlichen Unsicherheit wohl als Pluspunkt gewertet werden darf. Obwohl: Was nützt einem ein sicherer Arbeitsplatz, wenn man sich davon die Miete nicht mehr leisten kann? Aber keine Sorge, "günstige Mitarbeiterwohnungen" werden angeboten, quasi die moderne Version der Klosterzelle für den gläubigen Putzbruder oder die -schwester.
Die "angenehme Atmosphäre im Haus und innerhalb des Teams" klingt fast so, als ob man nach Feierabend gemeinsam in der Sauna schwitzen und über die Vorzüge biologischer Reinigungsmittel diskutieren könnte. Und wer braucht schon gutes Geld, wenn es "täglich frisch gekochtes Essen und xunde Jause" gibt? Die Jause ist übrigens der österreichische Begriff für eine Zwischenmahlzeit, die hier wohl eher als existenzsichernde Maßnahme daherkommt.
Besonders perfide ist der Hinweis auf "Angebote zur betrieblichen Gesundheitsförderung". Man kann sich förmlich vorstellen, wie der Wellness-Manager bei der Vorstellungsrunde sagt: "Wir bieten Ihnen nicht nur die Möglichkeit, unsere Gästetoiletten zu reinigen, sondern auch, selbst von unseren Gesundheitsangeboten zu profitieren. Zum Beispiel könnten Sie nach der Schicht unsere Schwimmbecken testen - unter der Bedingung, dass Sie danach noch die Wände schrubben."
Der Lohn von 2.088 Euro brutto für 40 Stunden Arbeit klingt fast wie ein Insiderwitz. Wer in Wien eine Wohnung sucht, weiß, dass dieser Betrag kaum für eine 20-Quadratmeter-Kammer in einem Hinterhof reicht. Aber hey, immerhin bekommt man einen Zuschlag für Sonntagsdienste - falls man nach der Woche mit den "regulierten Arbeitszeiten" noch Lust auf mehr Hygienefreude hat.
Es ist fast so, als ob das Hotelmanagement glaubt, man könne die Menschen mit ein paar wohlklingenden Worthülsen und dem Versprechen auf "biologische Reinigungsmittel" dazu bringen, für einen Hungerlohn den Dreck anderer wegzumachen. Die Frage ist nur: Wie lange dauert es, bis die ersten Bewerber merken, dass "abwechslungsreicher Arbeitsalltag" in diesem Fall bedeutet, dass man nie weiß, in welchem Luxusklo man als nächstes putzen darf?