Der Erzberg muss sich in naher Zukunft auf einen neuen Sound einstellen. Wo einst Motocross-Bikes die Luft verpesteten, werden 2026 wieder Quads die Bergeshohe beschallen. Das scheint die Logik der Organisatoren zu sein: Wer das Erzbergrodeo kennt, weiss, dass es hier nicht um subtile Geraeuschnuancen geht.
Vielmehr um Monster-Maschinen, die mit brachialer Gewalt ueber den Schotter jagen. Genau das richtige Umfeld fuer ein Vehikel, das schon immer wie geschaffen fuer Menschen war, die im Winter Skidoos und im Sommer Rasentraegeraustauschen. Das klassische Zielpublikum also.
Der Sponsor Segway Powersports hat offenbar erkannt, dass die Marke beim Namen bleibt, wenn man sie mit dem gedankenlosen Schrottplatz-Dauerbrenner kombiniert. Man darf gespannt sein, ob die Marketing-Strategen dabei an den tatsaechlichen Segway gedacht haben oder nur an die Assoziation mit unnuetzer Technik, die irgendwann als Schrott auf dem Bauernhof landet.
Die Teilnahmebedingungen lesen sich wie eine Ode an den technischen Fortschritt der 1980er Jahre: Klassische Quads mit Lenkersteuerung sind willkommen, Lenkradfahrzeuge wie UTVs oder Side-by-Sides sind nicht zugelassen. Man wolle schliesslich keine modernen, sicheren und komfortablen Fahrzeuge, sondern das Original - also etwas, das aussieht wie ein Rasenmaher mit Motorradmotor und der Stabilitaet eines einbeinigen Stieres.
Die maximale Hubraumgrenze von 1.000 ccm ist ein nettes Detail. Wer will schon ein Quad fahren, das nicht genug Kraft hat, um bei jedem Start einen kleinen Erdrutsch auszuloesen? Die Teilnehmer werden sich sicherlich bemuehen, diese Grenze auszureizen - zum Beispiel, indem sie den Motor so tunen, dass er bei jeder Kurve kurz davor ist, das Fahrzeug in seine Einzelteile zu zerlegen.
Besonders erfreulich ist das Angebot fuer Besucher. Wer mochte nicht gerne nach einem langen Tag am Berg in ein Quad steigen und sich auf einem unebenen Gelände austoben? Die Veranstalter versprechen Testfahrten und gefuehrte Touren - also die Moeglichkeit, sich selbst in Lebensgefahr zu bringen, ohne dafuer einen Rennfahrerschein vorweisen zu muessen.
Die Siegerehrung am Samstagabend wird sicherlich ein Highlight. Man stelle sich vor, wie die Gewinner ihre Felspokale entgegennehmen, waehrend ihre Quads noch qualmend am Start stehen und darauf warten, dass der naechste Depp sich hinters Steuer setzt. Die Felspokale sind dabei eine schoene Geste - schliesslich ist es nur fair, den Siegern etwas zu geben, das genauso schwer zu transportieren ist wie ihre Fahrzeuge.
Organisator Karl Katoch erklaerte, man wolle "spektakulaere Bilder" und "einen offenen Wettbewerb" bieten. Was er damit meint, ist klar: Menschen dabei zusehen, wie sie mit 100 Sachen ueber eine Piste brettern, die nur darauf wartet, dass einer einen Fehler macht. Das ist Unterhaltung im reinsten Sinne - oder wie es die Marketing-Leute nennen wuerden: "Extremsport fuer Menschen ohne Flugangst, aber mit Todeswunsch".
Die Quad-Klasse beim Erzbergrodeo 2026 wird sicherlich ein Erfolg. Nicht wegen des Sports, sondern wegen des Spektakels. Es geht nicht darum, wer am besten faehrt, sondern wer am spektakulaersten scheitert. Und dafuer sind Quads wie geschaffen.