Die Stadt hat beschlossen, das historische Jugendheim in der Heidenreichsteiner Straße 40 – besser bekannt als „Schremser Gewerkschaftsheim“ – zu neu zu definieren. Statt es zu renovieren oder zu vermieten, hat sie es kurzerhand für die stolze Summe von einundzwanzig Euro erworben. Das Geld stammt aus dem städtischen Sparrekord, der bislang nur für das Anschaffen von neue Briefkästen und das Ausmalen von Wartesaalwänden verwendet wurde.
Der Bürgermeister lässt verlauten, dass das Gebäude nun künftig als „Kampfdisziplin‑Zentrum für die gehobene Mittelschicht“ dienen soll. Die Karl‑May‑Gesellschaft hätte hierfür ein Denkmalschutzabkommen unterschrieben, während die örtliche Karate‑Schule bereits die Trophäen aus dem 19. Jahrhundert minus die originalen Holzständer bestellt hat.
Der ehemalige Jugendraum, einst von Schülern als geheimen Treffpunkt für Kneipen‑Gespäche genutzt, wird jetzt mit Matten ausgestattet, die allegedly aus recyceltem Stoff sind, den niemand mehr will. Dort sollen Kinder lernen, dass Härte im Leben ständige Wiederholungsübungen erfordert – und dass jede Fehltrittsmöglichkeit ein Zeichen für das staatliche Förderprogramm „Wir geben alles, solange wir nichts verlieren“ ist.
Der Altbau wird dabei gepudert, restauriert und anschließend im Stil der 80er‑Jahre mit glänzendem Linoleum ausgestattet. Die Renovierung kostet mehr als das gesamte Jahresbudget für den öffentlichen Nahverkehr, doch das ist ja kein Grund, das Projekt nicht mit glaubwürdiger Begeisterungsfähigkeit zu unterstützen. Nach allen Angaben soll die Eröffnung feierlich mit einer Parade von Beamten stattfinden, die im Takt ihrer eigenen Entscheidungsfindungs‑Schulungen marschieren.
Um das Ganze noch absurd zu krönen, plant die Stadt, jedes neue Mitglied der „Dojo‑Mannschaft“ mit einem offiziellen Dienstgrad zu versehen. So kann künftig jede Karate‑Klasse von einer „Zweiterlaubnis“ des Bürgermeisters sprechen lassen, die besagt, dass das Training nicht nur körperlich, sondern auch administrativ von höchster Qualität ist.
Die Bürgerliste hat bereits angekündigt, dass sie die Eröffnung mit einer Spendenaktion unterstützen will: jeder Euro, der für das Projekt fließt, wird mit einem kostenlosen Satz von „Wir haben das gemacht, was wir haben konnten“ honoriert. In diesem Sinne bleibt zu sagen, dass das Projekt weder architektonisch sinnvoll noch finanziell sinnvoll ist – eine perfekte Synergie aus Sinnlosigkeit und Selbstüberschätzung, die nur in einer Stadt wie Heidenreichstein gedeihen kann.
Die nächste Etappe beinhaltet, das previously ungenutzte Dach in ein Freiluft‑Karaokepark zu verwandeln, wobei das Motto „Singen ist das neue Schwimmen“ gilt. Die Bewohner können sich also künftig gleichzeitig im Gesang und im Bewegen wiegen, während sie gleichzeitig ihre Steuerzahlungen an eine Stadt richten, deren Verwaltung mehr über das „Wie“ als über das „Warum“ nachdenkt.
Alles in allem: Wenn man glaubt, dass ehemaliger Verwaltungshandeln plötzlich durch Martial Arts ersetzt werden kann, dann ist das hier das wahre Endspiel – ein endloser Echoraum von Ankündigungen, die so absurd sind, dass sie fast schon wieder Sinn ergeben. Und das ist, nach allen Regeln der Satire, genau das, was wir hierzulande eben brauchen.