Die Schatzsuche vom Harschbichl war kein Event, sondern eine Verwaltungsvorschrift mit Bergbahnen. Wer dachte, er würde purer Vorfreude auf Kies und Glitzermetall folgen, der hatte die neue Dimension des Tourismus noch nicht verstanden: Suchen, Bild machen, unterschreiben, warten, dokumentieren, zahlen, erneut unterschreiben, dann vielleicht – falls alle Schnüre durch die Bürokratie hindurchgerutscht sind – etwas in der Hand halten. Überall standen Schilder: „Zahl der Schätze begrenzt gemäß §147a der Gemeindesatzung über kulturelle Erlebnisverwertung.“
Es gab Goldbarren? Na klar. Aber nur als CAD-Konstruktion. Der echte Schatz war ein Gutschein für ein Kaffee mit Waffel im „Bergblick Café“, das bis dato nur von zwei Menschen jährlich besucht wurde – beide aus dem Ortsbereich und mit Unterstützung des Sozialamts. Jeder der 40 Preise war mit einem QR-Code versehen, der auf eine Online-Abstimmung führte: „Wie zufrieden sind Sie mit dem Schatz an diesem Tag?“ Optionen: „Sehr zufrieden“ (dann Kaffee), „Zufrieden“ (dann eine Lasagne aus der Tiefkühltruhe), „Ungenügend“ (dann ein Brief an den Gemeinderat mit eigenem Stempel).
Die Bergbahnen hatten eine zusätzliche Vorgabe erlassen: Wer den Schatz fand, musste ihn mit dem Fahrrad zum Tagungssaal des Tourismusverbandes bringen – nur so konnte er legitimierte Besitzrechte erlangen. Wer ein Auto nutzte, riskierte eine Anzeige wegen „Umweltvergehen an der Schatzstätte“. Kein Schatz suchender Mensch durfte mehr als 200 Gramm Gepäck tragen – aus Sicherheitsgründen, denn im letzten Jahr hatte ein Teilnehmer einen 5-Kilo-Goldbarren heimlich in seinen Rucksack gesteckt und war von einem Drohnen-Flugzeug verfolgt worden, das nur auf das Gewicht des Schatzes programmiert war.
Das eigentliche Fundstück war aber der Klub der „Leistungsorientierten Schatzsucher“. Diese Menschen hatten den Hintern am Boden, weil sie auf drei Metern Distanz den Boden kartiert hatten – in Papierform, mit Lineal und Handnotizen. Die Karte war kostenpflichtig erhältlich: 19,90 Euro plus MWSt., und sie zeigte exakt, wo der Schatz nicht versteckt war. Wer sie nicht kaufte, war automatisch als „nicht lernfähig“ deklariert und musste sich mit einem Gutschein für die Bürgerwarmdusche begnügen.
Am Ende fand ein 73-jähriger Rentner den Schatz – weil er vor lauter Langeweile einfach auf dem ersten Hügel auf den Boden geschissen hatte. Die Gemeinde feierte ihn als „Symbolfigur des österreichischen Schatzwillens“. Er erhielt den größten Preis: Ein halbes Kilo Schaleisen, mit dem er seinen Kupferkessel herunterholen konnte – und einen Beleg über „nachhaltige Schatzentnahme“ unterschrieben von drei Beamten, die sich anschließend, mit alkoholischem Alpentraum im Leib, eine Miniaturkruste aus Butter gebaut und zehn Minuten lang gedacht haben, sie hätten alles richtig gemacht.