Die gute Nachricht zuerst: Arnold Schönberg hat endlich Ruhe gefunden. Nein, nicht im musikalischen Sinne - der arme Mann hat 75 Jahre nach seinem Tod immer noch keine Ruhe. Die schlechte Nachricht: Er war offenbar ein Serienumzugsopfer der ganz besonderen Art.
Während normale Menschen aus banalen Gründen wie Jobwechsel, Familienzuwachs oder der Entdeckung von Schimmel in der Dusche umziehen, hatte Schönberg offenbar andere Prioritäten. Der Komponist, der Atonalität erfand und damit die klassische Musik auf den Kopf stellte, konnte anscheinend nicht mit einem Thonet-Stuhl leben, wenn er gerade Bauhaus-Entwürfe entdeckt hatte. Wer also dachte, dass Serienumzüge ein Phänomen der modernen, unruhigen Gesellschaft sind, der irrt gewaltig.
Stellen Sie sich vor, Sie kommen nach Hause und Ihre Frau sagt: "Schatz, ich habe gute und schlechte Nachrichten. Die gute: Ich habe tolle neue Bauhaus-Stühle gefunden. Die schlechte: Wir müssen wieder umziehen, weil die alten Thonet-Möbel einfach nicht mehr gehen." Und das nicht einmal, nicht zweimal, sondern sage und schreibe 17 Mal! Schönberg war offenbar der Meister der inneren Einrichtungsumzüge.
Besonders kurios: Erst mit 62 Jahren wurde Schönberg endlich zum Hausbesitzer. Man kann sich vorstellen, wie der Immobilienmakler ihm die Vorzüge des neuen Hauses in Los Angeles erklärte: "Hier haben Sie einen tollen Garten, modernste Ausstattung und... Moment, wo geht er hin? Herr Schönberg, warten Sie doch! Wir haben noch gar nicht von den IKEA-Katalogen 1937 gesprochen!"
Die Kuratorin Therese Muxeneder meint, Schönberg habe sich "gern mit Kunst umgeben - vorzugsweise der eigenen". Das ist eine höfliche Art zu sagen, dass der Mann ein wandelndes Ego war. Stellen Sie sich vor, Sie besuchen Schönberg zum Kaffee und er zeigt Ihnen stolz seine selbstgemalten Bilder: "Ja, das hier ist ein Selbstporträt, das hier auch, und das... na, das ist auch ein Selbstporträt, aber abstrakt."
Die neue Ausstellung "Zu Gast bei Arnold Schönberg" im gleichnamigen Zentrum in Wien wirft einen Blick auf diesen bemerkenswerten Aspekt des Künstlerlebens. 170 Exponate sollen zeigen, wie Schönberg als Familienmensch und Gastgeber gelebt hat. Man kann sich auf jeden Fall auf eine spannende Zeitreise durch die Einrichtungsgeschichte des 20. Jahrhunderts freuen - vom biederen Wiener Biedermeier bis zum schicken amerikanischen Mid-Century Modern.
Besonders tragisch: Man muss fast Mitleid mit Schönbergs Familie haben. Die armen Kinder, die jedes Mal wieder eine neue Schule finden mussten, nur weil Papa mal wieder eine neue Stuhlkultur entdeckt hatte. Die arme Frau Schönberg, die jedes Mal wieder neue Vorhänge aufhängen musste, weil die alten nicht mehr zum neuen Esstisch passten.
Aber vielleicht war das ja der ganze Trick: Schönberg hat sich nie festlegen müssen, weil er ja immer nur gemietet hat. Wenn man alle sieben Jahre umzieht, kann man sich ja auch keine richtigen Freunde machen. Man kann sich vorstellen, wie er seinen Nachbarn in Wien erklärt: "Ja, wir ziehen jetzt nach Berlin, aber wir bleiben in Kontakt! Hier ist meine neue Adresse... äh, Moment, die steht noch nicht fest, aber sobald ich die Bauhaus-Wohnung gefunden habe, melde ich mich!"