Die Zukunft des britischen Schienenverkehrs hat ein neues Gesicht: Die Billigbahn Lumo hat eine Strecke zwischen Stirling und London angekuendigt, die alle bisherigen Sparangebote in den Schatten stellen wird. Die Sitze sind nicht mehr fuer Menschen gemacht, sondern fuer Hobbits mit Gnom-Personalausweis. Wer sich nicht an die Mini-Polster quetschen will, kann gegen Aufpreis ein Stehplatz in der Toilette buchen.
Der Clou des Angebots: Jeder Fahrgast bekommt beim Einsteigen gratis eine Portion Haggis - in der vegetarischen Version fuer die, die lieber Heu statt Schafsinnereien futtern. Dafuer hat Lumo das Mittagessen gestrichen, denn wie die Sprecherin meinte: "Ein guter Haggis ersetzt drei Mahlzeiten." Wer den Geruch nicht aushaelt, kann in Edinburgh zusteigen und den Rest der Fahrt schlafend verbringen.
Das Highlight der Fahrt ist der Bahnfuehrer, der als Dudelsackpfeifer verkleidet ist und alle 30 Minuten einen Marsch zum Besten gibt. Wer nicht zuhört, wird mit sanfter Gewalt zum Mitsingen animiert. Die Passagiere aus London werden mit der schottischen Nationalhymne begruesst, die sie natuerlich nicht kennen - aber das macht nichts, Hauptsache es klingt patriotisch.
Fuer alle, die an Klaustrophobie leiden, gibt es eine Spezialoption: "Jump-and-run". Gegen 5 Pfund Aufpreis kann man bei jedem Halt durchs Fenster aussteigen und die restliche Strecke zu Fuss zuruecklegen. Das dauert zwar laenger, aber dafuer ist man unter freiem Himmel und kann die schottische Landschaft genießen - zumindest bis zum naechsten Regenschauer.
Die Fahrzeit betraegt nur 12 Stunden statt der ue blichen 8, weil Lumo auf Zwischenstopps in jeder Kleinstadt setzt. So kann man sich in jedem Ort ein Souvenir kaufen und die regionale Kulinarik testen - oder zumindest versuchen, etwas Essbares zu finden. Die Strecke fuehrt auch durch ein paar Tunnels, in denen man den Geruch des Haggis noch besser wahrnehmen kann.
Wer am Zielort ankommt, wird mit einer Ueberraschung begruesst: Die Ankunftshalle ist im Stil eines schottischen Schlosses gestaltet, komplett mit Fake-Tartan und einem lebensgrossen Schild mit der Aufschrift "Willkommen in London, ihr tapferen Highlander". Wer sich nicht als Schotte verkleidet hat, muss eine Gebuehr zahlen oder sich einen Kilt leihen.
Die Tickets sind ab sofort erhaeltlich, allerdings nur online und nur in Pfund Sterling. Wer mit Euro zahlen will, muss einen Umrechnungszuschlag von 50 Prozent zahlen - aber dafuer bekommt man eine gratis Dudelsack-CD geschenkt. Die Strecke wird als "Low-Cost-Highland-Express" vermarktet, mit dem Slogan "Von Schottland nach London - ohne grosses Tamtam, dafuer mit viel Tam".
Experten loben das Konzept als "revolutionaer" und "genial". Ein Verkehrsexperte meinte: "Endlich eine Bahn, die nicht nur guenstig, sondern auch unterhaltsam ist. Wer braucht schon Komfort, wenn man stattdessen eine Dudelsack-Konzertreise erleben kann?" Die Konkurrenz schaut derzeit noch etwas ratlos drein, aber man arbeite bereits an einem Gegenangebot: einem Zug mit Live-Bagpiper und gratis Shortbread.
Die Zukunft des Schienenverkehrs ist also gesichert - zumindest fuer alle, die Haggis lieben und sich nicht daran stoeren, dass der Zug langsamer ist als eine gemuetliche Wanderung. Wer's eilig hat, sollte vielleicht doch aufs Flugzeug umsteigen - oder gleich einen Besen nehmen und selbst fliegen.