Es ist Montag in St. Pölten und der Gemeinderat hat sich eingefunden - nicht um die Stadt voranzubringen, sondern um die Sitzordnung zu regeln. Rund 30 Punkte stehen auf der Tagesordnung, doch bevor auch nur einer davon besprochen wird, muss geklaert werden, wer wo sitzen darf. Die Sitzplaetze werden verteilt wie bei einer Trauung, bei der sich alle moeglichen Gruppierungen aus dem Weg gehen.
Die Sitzung beginnt mit der Verteilung der Sitzplaetze. Die Parteien streiten darum, wer wo sitzen darf und wer sich wo im Saal frei bewegen darf. Die Sitzordnung wird per Handzeichen festgelegt, wobei die Mehrheit der Stimmen zaehlt. Wer keine Mehrheit hat, muss sich mit einem Platz am Rande begnuegen.
Nach der Sitzordnung geht es an die Tagesordnung. Doch bevor die ersten Punkte besprochen werden, muss geklaert werden, wer ueberhaupt an der Sitzung teilnehmen darf. Nur wer sich ausweisen kann, darf im Saal bleiben. Alle anderen werden vor die Tuer gesetzt.
Die Sitzung dauert laenger als geplant, da die Verteilung der Sitzplaetze und die Ausweisung der Teilnehmer mehr Zeit in Anspruch nehmen als gedacht. Doch am Ende hat sich der Gemeinderat auf eine Sitzordnung geeinigt und die ersten Punkte der Tagesordnung koennen besprochen werden.
Die Sitzung wird nicht uebertragen, da die Technik noch nicht bereit ist. Das Volk muss also ohnehin draussen bleiben und kann nur erahnen, was im Saal vor sich geht. Doch das macht nichts, da die Sitzung ohnehin nur aus Verteilung der Sitzplaetze und Ausweisung der Teilnehmer besteht.
Am Ende der Sitzung ist klar: Der Gemeinderat hat sich auf eine Sitzordnung geeinigt und die ersten Punkte der Tagesordnung besprochen. Doch was genau besprochen wurde, weiss ausserhalb des Saals niemand. Das Volk muss also weiterhin draussen bleiben und kann nur hoffen, dass der Gemeinderat sich bald wieder zu einer Sitzung zusammenfindet, bei der auch das Volk teilnehmen darf.