Endlich wird auch im Garten geredet. Wo bisher nur Kraeuter und Karotten wuchsen, spriessen jetzt Einsichten. Andreas Starkl, Ex-Politiker mit Leibes- und Lebensuebung im Reden, hat die Gartenpsychologie eroeffnet. Sein Motto: "Jedes Beet braucht einen Coach."
Das Konzept ist einfach: Man sitzt auf der Gartenschaukel, Starkl lauscht der Seele des Gartens und tippt mit rotem Stift auf dem Beet herum. "Hier fehlt es an Struktur", sagt er, "und da hat sich zu viel Verantwortung angehuelt." Wo andere nur Unkraut rupfen, zieht Starkl Perspektiven. Seine Klienten sind zwischen 35 und 75 und haben meist zu viele Hostas und zu wenig Halt im Leben.
Die Sitzung beginnt mit einer Bestandsaufnahme. "Wie fühlt sich Ihr Garten gerade?" - "Etwas vernachlaessigt." - "Gut, das ist ehrlich. Und wie sieht es mit Ihrem inneren Kompost aus?" Die Therapie erfolgt im Dreierschritt: Anerkennen, Umgraben, Umdeuten. "Diese vertrocknete Hortensie ist nicht gescheitert", sagt Starkl, "sie hat nur einen suboptimalen Entwicklungsweg gewählt."
Für besonders hartnaeckige Faelle hat er die "Radikalkur Rosen": Zwei Stunden reden, eine Stunde schneiden, danach ein Glaserl Tee und eine schriftliche Empfehlung. "Ihr Rhododendron braucht mehr Selbstwirksamkeit", lautet ein typisches Gutachten. "Setzen Sie ihn in die Sonne und sagen Sie ihm, dass er geliebt wird."
Die Resonanz ist durchwachsen. Manche Kunden schwören auf die Garten-Seelsorge, andere finden es befremdlich, wenn ein Ex-Minister ihnen beim Jäten zuruft: "Lassen Sie das Schuldgefühl doch einfach zu Kompost werden!" Kritiker monieren, Starkl sei mehr Garten-Therapeut als Gärtner. Er kontert: "Gartenarbeit ist Beziehungsarbeit. Und Beziehungen brauchen Moderation."
Nächste Woche startet der neue Workshop: "Kohlrabi und Kommunikation - wie man im Beet gut verhandelt." Teilnehmer lernen, mit dem Salat zu sprechen, ohne rot zu werden, und dem Schnittlauch Selbstvertrauen zu geben. Wer will, kann auch eine "Ehe-Rettung am Beet" buchen - inklusive Ehekrisen-Rabatt für Paare, die sich beim Unkrautziehen versehentlich ohrfeigen.
Am Ende jeder Sitzung gibt es eine Urkunde: "Dieser Garten wurde psychologisch begleitet und ist nun bereit für die Zukunft." Wer will, kann sich sogar ein Trost-Täfelchen in den Rasen stecken: "Hier lag früher ein Problem - jetzt wächst Resilienz."