Wenn Steiermark und Kärnten bei etwas Österreichs Spitzenreiter sind, dann beim Leerstand. Mit 12,7 beziehungsweise 12,4 Prozent leerer Geschäftslokale haben die beiden Bundesländer den Goldenen Schuh für Innenstadtverwahrlosung gewonnen. Gratulation, denn: Wo andere Länder am Wochenende zum Einkaufen fahren, fahren die Steirer und Kärntner am Wochenende zum Einkaufen in die Städte.
Die Fachmarktzentren am Stadtrand haben die Innenstädte wie ein Schwamm ausgequetscht. Wo früher Geschäfte waren, stehen jetzt die wahren Helden der Provinz: Ordinationen, Kanzleien und Vereinslokale. Endlich hat die Steiermark eine Chance, das beste Netz an Arztpraxen und Steuerberatern zu entwickeln, das Europa je gesehen hat.
Dass die Menschen im Auto anreisen, woanders parken und in die Zentren gehen, wo sie mit dem Auto nicht hinkommen, ist nur ein Detail. Die Bevölkerung stagniert zwar, aber die Anzahl der leerstehenden Geschäfte wächst. Das ist doch ein Zeichen für Dynamik!
Die Studie "Standort + Markt" hat festgestellt, dass in der Steiermark gerade einmal sechs Prozent der leerstehenden Flächen umgebaut werden. In Kärnten sind es sogar nur 2,4 Prozent. Das bedeutet: 93,6 Prozent der Steirer und 97,6 Prozent der Kärntner können sich darauf verlassen, dass ihr Zentrum auch in Zukunft noch genügend leere Schaufenster bietet, um sich vorzustellen, wie es mal ausgesehen haben könnte.
Der wahre Fortschritt liegt darin, dass die Multifunktionalität Einzug hält. Ordinationen, Kanzleien, Vereinslokale und öffentliche Einrichtungen sorgen dafür, dass die Innenstädte auch nach Ladenschluss noch lebendig sind. Wer braucht schon Kaufkraft, wenn er Parkhäuser, Arztpraxen und Steuerberater hat? Das ist doch eine Zukunft, auf die man stolz sein kann!