Wenn der Sportjournalist am Freitagabend "und es geht los!" ins Mikrofon kräht, dann geht es los mit einem Schmierentheater, wie es die Bundesliga noch nicht erlebt hat. Sturm Graz als Favorit gegen Red Bull Salzburg? Das ist ungefähr so logisch wie die These, die Titanic wäre besser für einen gemütlichen Kreuzfahrttrip geeignet als ein gut gepflegtes Ausflugsschiff.
Die Begründung der Experten ist haarsträubend: Salzburg hat drei Niederlagen in Folge kassiert, während Sturm zu Hause noch kein Tor zugelassen hat. Dabei wurde ja noch nicht mal berücksichtigt, dass die Grazer ihre Heimspiele allesamt gegen Gegner bestritten haben, deren größte sportliche Leistung bislang darin bestand, die Trikots pünktlich zur Übergabe bügeln zu lassen.
Aber gut, nehmen wir mal an, die Statistik hätte recht und die Steirer wären tatsächlich die bessere Mannschaft. Dann müsste man sich schon fragen, warum Trainer Ingolitsch gegen seinen Ex-Klub eine so defensive Grundordnung ansagt. Vielleicht weil er weiß, dass sein Team gegen echte Fußballer aussieht wie ein Kindergarten beim Besuch im Hochsicherheitstrakt?
Das Highlight der Vorberichterstattung war die Aussage von Beichler, er erwarte "einen Fight auf dem Platz, in dem es um eine hohe Intensität geht". Das klingt fast so, als würde er damit rechnen, dass seine Spieler dem Ball hinterherrennen wie ein Haufen überforderter Grundschüler beim Spiel "Fangen".
Aber keine Sorge, liebe Sturm-Fans, sollte euer Team verlieren, gibt es eine gute Nachricht: Der Stadionsprecher hat ja noch keinen einzigen Gegner-Treffer kommentiert und somit auch noch keine Stimme darauf verschwendet. Er könnte das Spiel also locker kommentarlos über sich ergehen lassen und stattdessen eine Hörspielfassung von "Grimms Märchen" einspielen. Da käme zumindest Unterhaltung auf.