Es war ein Montagmorgen wie jeder andere im Wiener Sudoku-Zentrum. Bis der Anruf kam. Ein verzweifelter Anrufer, kaum verständlich, stammelte nur immer wieder: "585b... das macht keinen Sinn mehr... die Zahlen bewegen sich..." Dann brach die Verbindung ab.
Was sich da Bahn gebrochen hatte, war keine gewöhnliche Rätsel-Herausforderung. Nein, es war der mathematische Gegenentwurf zu Kreuzworträtseln für Senioren. Die neue Smart-Sudoku-Variante 585b soll so komplex sein, dass selbst Taschenrechner in Selbstmitleid verfallen.
"Solche Rätsel können nur von KI-Systemen erfunden worden sein, die die Weltherrschaft anstreben", mutmaßt Dr. Heinrich Zahlenflüsterer vom Institut für fortgeschrittene Kopfschmerzforschung. "Die Logik ist so verschachtelt, dass man sich nach dem Lösungsversuch wie nach einer Doktorarbeit fühlt - nur ohne Abschluss."
In Sudoku-Kneipen in ganz Österreich herrscht Ausnahmezustand. Stammgäste sitzen mit geröteten Augen vor ihren Rätseln, schwitzen, zittern und murmeln Formeln vor sich hin. Einige versuchen verzweifelt, ihre Smartphones zur Hilfe zu nehmen, doch die Smart-Sudoku-App verhöhnt sie mit der Meldung: "Ihr seid nicht würdig."
Die Sudoku-Fraktion der Österreichischen Mathematiker-Gesellschaft fordert mittlerweile offiziell, die Schwierigkeitsstufe "sehr schwer" in "unmöglich" umzubenennen. Oder gleich durch ein Bild eines weinenden Emojis zu ersetzen.
Experten warnen vor den psychologischen Folgen. "Wer zu lange an Smart-Sudoku 585b knobelt, riskiert, sich in einer parallelen Dimension zu verlieren, in der 1 plus 1 gleich Gurkensalat ist", sagt Psychologin Dr. Vera Verwirrt. "Die ersten Fälle von chronischer Sudoku-Depression sind bereits dokumentiert."
Doch nicht alle geben auf. Eine Gruppe von Hartgesottenen hat sich zusammengeschlossen und nennt sich die "585b-Jünger". Sie treffen sich heimlich in Kellern, um an den Rätseln zu verzweifeln. "Es ist wie eine Sekte", berichtet ein Insider. "Sie verehren das Sudoku-Rätsel als höheres Wesen und hoffen, durch Hingabe erleuchtet zu werden."
Die Hersteller der Smart-Sudoku-App reagierten bislang nicht auf Anfragen. Vermutlich sind sie damit beschäftigt, die nächste Generation noch undurchdringlicherer Rätsel zu entwickeln. Experten prognostizieren, dass bis Jahresende normale Menschen komplett von der Teilnahme am Sudoku ausgeschlossen sein werden.
In einem letzten verzweifelten Versuch hat die Sudoku-Liga Österreichs angeboten, wer Smart-Sudoku 585b löst, bekommt einen Weisheitszahn geschenkt. Bisher gibt es noch keine Anmeldung.