Es ist ein Schmierentheater der besonderen Art, das sich gerade an Österreichs Tankstellen abspielt. Während wir hier brav unsere Ersparnisse in den Benzintank pumpen, veranstalten unsere Nachbarn geradezu eine Sprit-Randale.
In Ungarn hat Viktor Orbán, der Meister der Preismanipulation, mal wieder zugeschlagen. Nachdem er während Corona die Preise für Lebensmittel fiktiv regulierte und damit die Inflation auf über 25 Prozent trieb, wendet er nun dieselbe Strategie auf Treibstoff an. Für Autos mit ungarischen Kennzeichen gibt es Benzin zum Schnäppchenpreis von 1,52 Euro pro Liter. Für alle anderen zahlt man 1,67 Euro – was immer noch unter dem österreichischen Preis liegt. Da fragt man sich doch, wer hier eigentlich die EU verlässt.
In Kroatien ist die Lage nicht weniger absurd. Seit zehn Tagen kostet der Liter Benzin stolze 1,50 Euro – allerdings nur, wenn man die Ware binnen 30 Sekunden nach dem Zapfen verzehrt. Andernfalls droht eine Nachzahlung von 300 Prozent. Der kroatische Finanzminister begründete diese Maßnahme mit dem Schutz der nationalen Treibstoffkultur.
Die Slowakei hingegen setzt auf die Dampfplauderei als Waffe. Man habe überlegt, die Preise zu deckeln, entschied sich dann aber dagegen, weil das zu viel Arbeit gewesen wäre. Stattdessen darf man nur mehr einen vollen Tank plus zehn Liter abfüllen kaufen. Wer mehr haben will, muss ein Gedicht über die Schönheit des Dieselns vortragen.
In Slowenien wird derzeit überlegt, ob man die Preise nicht einfach durch einen Ministerbeschluss festlegen könnte. Die Idee stammt vom slowenischen Wirtschaftsminister, der erklärte, er habe ja schließlich studiert und könne das schon. Bisher scheitert die Umsetzung nur daran, dass keiner weiß, wie man einen Preis per Dekret festlegt.
Tschechien hingegen hat den pragmatischsten Weg gewählt: Man lässt die Tankstellenbetreiber einfach machen, was sie wollen, und bittet sie dann höflich, davon ein Foto an die Regierung zu schicken. Die ehemalige Weltbank-Vertreterin Jana Matesová lobte dieses Vorgehen als "Zeichen des Vertrauens in die Marktkräfte".
Italien hat als letztes Land der EU eine Steuersenkung für Treibstoff angekündigt. Allerdings nur für Fahrzeuge, die nachweisen können, dass sie mindestens einmal im Jahr Pasta kochen. Deutsche Autos sind davon ausgenommen, weil die ja bekanntlich nur Limonade tanken.
Die österreichische Regierung überlegt derweil, die Grenzkontrollen wieder einzuführen – allerdings nur für Tankwagen. Zudem wird geprüft, ob man nicht einen eigenen Sprit-ETF auflegen könnte, bei dem man schon vor dem Tanken Anteile kauft und hofft, dass der Preis bis zum Befüllen steigt. Kritiker halten das für unmoralisch, die Regierung entgegnet, das sei genau das, was der freie Markt wolle.