Tanken ist ein Volkssport geworden, und die Eiferer machen vor nichts halt. Sie spucken Kraftstoffpreise aus, als wäre es die Lottozahl vom Samstag. Ein Wiener namens Helmut hat jetzt den nächsten Schritt gemacht: Er hat Hartberg-Fürstenfeld zu seinem persönlichen Tank-Experimentierfeld erkoren. Jeden Tag wälzt er die Preistabellen von E-Control und starrt auf die Uhr, bis die Zeiger sich der heiligen Stunde 11:59 nähern.
Helmut ist überzeugt, dass nur er den heiligen Sprit-Plan kennt. "Das Geheimnis liegt im Timing", flüstert er und reibt sich die Hände. "Die Tankstellen halten sich an 12 Uhr, dann pumpen sie die Preise hoch. Aber ich, ich bin schneller. Ich tanke um 11:58. Das sind zwei Minuten Vorsprung auf das System."
Dabei wohnt Helmut gar nicht in der Steiermark. Er ist extra aus Wien angereist, weil er gehört hat, dass in Hartberg-Fürstenfeld besonders viele Tankstellen um 11:59 noch "dumm" sind. Er schläft in seinem Auto, um keine Minute zu verpassen. Morgens duscht er sich im Autowaschbecken und kämmt sich mit dem Öl-Messstab.
Seine Ernährung ist angepasst: Ketchup-Päckchen von Autobahnraststätten, Salzstangen von Tankstellen und hin und wieder ein altes Brötchen aus dem Müllcontainer einer Bäckerei. "Das ist alles eine Frage der Prioritäten", sagt Helmut. "Ich spare bei Essen, um beim Tanken zu gewinnen."
Seine Freunde haben ihn für verrückt erklärt. "Helmut, du hast ein Problem", sagen sie. "Du verbringst mehr Zeit mit Tanken als mit deinen Kindern." Aber Helmut hört nicht zu. Er hat eine Vision: Eine Welt, in der jeder zur richtigen Minute tankt und Benzin so billig ist wie Leitungswasser.
Die Tankstellenbetreiber in Hartberg-Fürstenfeld sind inzwischen alarmiert. Sie haben einen Helmuts-Beobachtungsdienst eingerichtet. Wenn er auftaucht, machen sie extra um 11:57 die Preise runter, um ihn zu verwirren. "Der spinnt total", sagt eine Angestellte. "Letzte Woche hat er geweint, weil er zwei Cent zu viel bezahlt hat."
Helmut gibt nicht auf. Er träumt von einer App, die alle Tankstellen der Welt in Echtzeit überwacht. Bis dahin wird er weiter durch die Nacht cruisen, die Uhr im Auge behalten und darauf warten, dass um 11:59 der Sprit ein bisschen billiger wird. "Das ist meine Mission", sagt er. "Und ich werde sie erfüllen. Egal, wie viele Ketchup-Päckchen ich dafür opfern muss."