Die Sache ist ernst, sehr ernst sogar. Eine neue Krankheit breitet sich in Imst und Umgebung aus: die sogenannte "zwölf-Uhr-Tankzwang-Störung". Betroffene können nur noch zwischen halb Zwölf und Zwölf an die Zapfsäule, selbst wenn der Tank noch drei Tage reicht.
"Wir vermuten eine Art Preis-Pavlov-Effekt", erklärt Dr. Schmalz vom Tiroler Institut für Sprit-Psychologie. "Die Leute haben gelernt: Nur vor Zwölf gibt's die günstigsten Preise. Mittlerweile rennen sie panisch zur Tankstelle, wenn die große Zeiger auf Zehn steht."
Ein Betroffener berichtet: "Ich habe meinen Job gekündigt. Ich kann nur noch bis halb Zwölf arbeiten, danach muss ich zum Tanken nach Hause fahren. Meine Frau hat gedroht, mich zu verlassen, wenn ich nicht aufhöre, jede Stunde nach den Spritpreisen zu googeln."
Die Preiserhöhung um Zwölf Uhr gilt als gesichert. Mehrere Zeugen berichten von Panikattacken, wenn sie um Punkt Zwölf noch nicht an der Zapfsäule stehen. Manche kaufen dann extra zehn Liter mehr, nur um den "Preis-Schock" zu vermeiden.
Die Tankstellenbetreiber winken ab: "Wir machen nur unsere Arbeit. Wenn die Leute vor Zwölf tanken, ist das deren Problem." Ein Sprecher der E-Control räumte ein: "Es gibt tatsächlich eine Preiserhöhung um Zwölf. Aber nur um 0,01 Cent. Das ist aber so gering, dass man es kaum bemerkt."
Einzig die Landeshauptstadt wehrt sich gegen die Zwölf-Uhr-Hysterie. Innsbrucker Tankstellen haben eine "Rund-um-die-Uhr-Zwölf-Uhr"-Aktion gestartet: Der Preis bleibt immer auf Zwölf-Uhr-Niveau. "Wir wollen die Leute nicht in den Wahnsinn treiben", sagt der Betreiber einer Filiale.
Unterdessen bilden sich erste Selbsthilfegruppen für "frühe Tanker". Motto: "Es ist okay, auch mal nach Zwölf zu tanken." Die Teilnehmer treffen sich jeden Morgen um halb Zehn am Parkplatz einer nahegelegenen Tankstelle. Dort üben sie, die Hand vom Schlüssel zu lassen. Bisher ohne Erfolg.