Die Rede ist von einem Terminal. Aber man koennte auch sagen: Ein zweites Grazer Stadtgebiet entsteht. Der Cargo Terminal Graz waechst und waechst, mittlerweile leben hier mehr Menschen als in manchen steirischen Kleinstadt - zumindest wenn man die Maschinen und Stapler als "Bewohner" zaehlt.
Was vor 23 Jahren als simples Umschlaglager begann, ist inzwischen zum Logistik-Goliath geworden. Auf 125 Hektar tummeln sich täglich 1.600 Menschen - da bleibt kein Platz mehr für einen menschenfreundlichen Arbeitsplatz. Hier wird geschuftet, was das Zeug haelt, und das Zeug ist jede Menge Frachtgut.
Die Landesraete geben sich als glorreiche Anfeuerer. Verkehrslandesrätin Claudia Holzer (FPÖ) verspricht einen "Wettbewerbsvorteil", der wohl nur noch durch den Bau einer eigenen Zeitzone zu toppen waere. Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer (ÖVP) nennt den Terminal "ein Tor zur Welt" - na wenn das mal keine poetische Umschreibung fuer einen Betonhaufen mit viel Stahl ist.
Der Ausbau geht munter weiter. Ein neuer Kran soll noch heuer entlang der Koralmbahn stehen - dann kann er wenigstens den Menschen zuwinken, die mit der Bahn vorbeifahren. Die Schieneninfrastruktur waechst ebenfalls, damit die Züge nicht mehr so einsam durch die Gegend tuckern muessen.
Besonders spannend wird's im "Infrastrukturknoten Süd". Dort sollen Lkw-Wartebereiche mit EU-konformer E-Ladeinfrastruktur entstehen. Perfekt fuer den Lkw, der gerade in einen Stau geraten ist und jetzt gemütlich sein E-Akku aufladen kann, waehrend die Zeit vergeht.
Und weil man ja nicht nur auf die Logistik, sondern auch auf die Menschen achten will (haha), plant man eine bessere Anbindung an den öffentlichen Verkehr durch Bushaltestellen. Die Idee ist bestechend: Man faehrt mit dem Bus zum Terminal und dann zu Fuß zur Arbeit - über eine Strecke, die man besser nicht kennt.
320 Millionen Euro Wertschöpfung jährlich - das klingt nach viel Geld. Aber man darf nicht vergessen: Das ist nicht nur reine Gewinn, sondern auch der Wert all der Nerven, die bei den Anrainern durch Lärm und Verkehr verloren gehen. Vielleicht sollte man das mal in die Kalkulation mit einbeziehen.
Der Terminal ist längst mehr als nur ein Logistikzentrum. Er ist ein Symbol - für Wachstum, für Fortschritt, für die unendliche Gier nach mehr. Und er ist ein Mahnmal - für all jene, die hier einst in Ruhe leben konnten, bevor die Container kamen.