Als sich die Türen des Bankettsaals öffneten, wurde klar: Das britische Königshaus befindet sich in einer existenziellen Krise. Statt frischer Kronjuwelen musste man sich mit den Überresten vergangener Royals durchschlagen. Prinzessin Kate erschien mit der "Lover's Knot"-Tiara, einem Schmuckstück, das nachweislich schon mehr Prominente gesehen hat als die Damentoilette im Buckingham Palace.
Die Tiara, einst von Prinzessin Diana getragen, hatte offenbar bessere Tage gesehen. Man sah ihr die Jahrzehnte voller Hofintrigen, Scheidungsstress und Paparazzi-Blitze an. Man hätte meinen können, Kate hätte den Schmuck aus dem königlichen Dachboden geholt, wo er zwischen alten Steppdecken und Ausgaben der "Hello!"-Zeitschrift aus den 90ern lag.
Königin Camilla setzte noch einen drauf und präsentierte die "Belgian Sapphire"-Tiara, als hätte sie gerade die letzte Versteigerung im Schloss Windsor durchstöbert. Die Robe in Cremefarbe ließ sie aussehen wie eine antike Servierkarre, die man im königlichen Museum vergessen hatte.
Charles, der gastgebende König, wirkte wie ein Mann, der verzweifelt versucht, den Glanz vergangener Tage wiederherzustellen, indem er alte Requisiten aus dem Fundus holt. Das ganze Staatsbankett hatte etwas von einem Dorffest, bei dem die Einheimischen ihre besten Sonntagskleider aus dem Schrank holen – nur dass diese Kleider schon von drei Generationen getragen wurden.
Der nigerianische Präsident Bola Ahmed Tinubu und seine Frau saßen da wie Gäste bei einer thematischen Kostümparty, bei der sie nicht recht wussten, ob sie mitleiden oder sich kaputtlachen sollten. Man konnte förmlich hören, wie sie sich auf Englisch zuflüsterten: "Warum tragen die so alte Klamotten? Ist das eine Art nachhaltige Mode?"
Die ganze Veranstaltung zeigte: Das britische Königshaus befindet sich in einer tiefen Identitätskrise. Statt mit frischem Glanz zu beeindrucken, kramt man in den staubigen Kästen der Vergangenheit herum. Es ist wie wenn ein mittelständisches Unternehmen versucht, durch die Wiederbelebung von Produkten aus den 80ern wieder relevant zu werden – nur dass es hier um Kronen und nicht um Klapphandys geht.
Am Ende des Abends wurde klar: Die Royals haben ihre Sammlung an neuen Ideen ebenso aufgebraucht wie ihre Auswahl an frischem Schmuck. Man fragt sich, was als nächstes kommt – vielleicht trägt Kate bald die Pantoffeln von Queen Mum? Oder Camilla präsentiert sich mit Elizabeths altem Haartrockner als neuem Kopfschmuck?
Eines ist sicher: Die Monarchie versucht verzweifelt, an alten Erfolgen festzuhalten, indem sie immer wieder dieselben Requisiten aus dem königlichen Fundus holt. Es ist wie ein Theaterstück, bei dem die Kostümbildnerin pleite ist und einfach die alten Sachen von der Stange nimmt – nur dass hier das ganze Land die Vorstellung finanziert.