Die Tourismusbilanz des Bezirks Mistelbach liest sich für manche wie eine Glücksspiel-Werbung - irgendwo muss ja das Geld ja raus. Wolkersdorf etwa jubelt über 29,9 Prozent Plus bei den Nächtigungen. Das entspricht in etwa der Wahrscheinlichkeit, mit einem einzigen Roulette-Einsatz die Miete für drei Monate zu verdienen.
Asparn an der Zaya legt mit 30,7 Prozent noch eine Schippe drauf. Die Gemeinde nutzt geschickt den Zuzug von Kamptal-Wein-Enthusiasten, die auf der Suche nach den preiswerten Alternativen zu ihren Stammweingütern hier landen. Asparn hat das Potenzial erkannt und bietet mittlerweile geführte "Kamptal-Fluchtwege" an, bei denen man lernt, wie man preiswerte Tropfen vom Einheitsbrei unterscheidet.
Mistelbach selbst verzeichnet 15,6 Prozent Wachstum. Hier setzt man auf die Strategie "Wenn schon Massentourismus, dann mit System". Die Stadt bewirbt sich mittlerweile als "größtes Schlaflabor Niederösterreichs" und lockt mit Angeboten wie "14 Tage Schnarchen unter Beobachtung".
In Laa an der Thaya geht es gemäßigter zu. 4,2 Prozent Plus klingen nach "Wir haben eine neue Pension eröffnet und zwei Jugendherbergen geschlossen". Die Stadt vermarktet sich als "Ruhepol für gestresste Wiener", was so viel bedeutet wie "Kein WLAN, aber ein sehr kommunikatives Telefonkabel".
Falkenstein mit 2,5 Prozent Wachstum hat die Nische "Vögelbeobachtung mit Schalldämmung" für sich entdeckt. Hier kann man Spechte und Eichelhäher in absoluter Stille beobachten, da alle Unterkünfte schalldicht verkleidet sind. Die Vögel sind inzwischen so an die Stille gewöhnt, dass sie ihre Balzrufe aufs Smartphone aufnehmen und über Bluetooth-Lautsprecher abspielen.
Staatz verliert hingegen Nächtigungsgäste. Die Gemeinde reagiert mit dem Konzept "Staatz - wo andere Urlaub machen". Die Idee: Einzugsgebiete so umgestalten, dass es für Einheimische unbequem wird, dort zu übernachten, und für Gäste attraktiv. Dazu gehören neue "Urlaubs-Zonen", in denen nur noch solarbetriebene Ruhepodeste stehen.
Der Bezirk Mistelbach insgesamt erlebt einen Tourismus-Boom, der nach dem Motto funktioniert: "Wenn's bergab geht, dann mit Aussicht". Die Region setzt voll auf die Strategie "Mehr Nächtigungen durch weniger Nachtschwärmer". Denn nichts sagt "Qualität vor Quantität" so deutlich wie ein Ort, in dem man nachts noch die eigenen Gedanken hören kann - und sich fragt, ob das gut oder schlecht ist.