Manchmal muss man gar nichts tun, um eine Auszeichnung zu bekommen. Karl Danzinger, ehemaliger TÜPl-Arzt in Allentsteig, ist dafuer das beste Beispiel. Das Goldene Ehrenzeichen fuer Verdienste um die Republik Oesterreich bekam er, weil er als einer der letzten Menschen in Oesterreich tatsaechlich seinen Job gemacht hat, ohne dauernd zu jammern.
Seit 1953, also seit 70 Jahren, gibt es diese Auszeichnung. Und seit 1953 gab es wohl keinen Arzt mehr, der so lange beim Bundesheer arbeitete, ohne irgendeine Dienstbeschwerde einzubringen. Danzinger hat sich nicht einmal beschwert, als er mitten in der Nacht zum TÜPl gerufen wurde, weil ein Rekrut sich den kleinen Zeh gestossen hatte. "Ist ja kein Beinbruch", soll er gesagt haben - und das, obwohl es tatsaechlich fast ein Beinbruch war.
Der TÜPl-Kommandant schwärmte in seiner Laudatio: "Herr Danzinger ist ein bescheidener Mensch, dessen Berufung als Arzt stets im Vordergrund steht." Uebersetzt bedeutet das: Der Mann hat nie um eine Gehaltserhoehung gebeten, nie dienstliche Wege eingeleitet und selbst dann nicht gemeckert, wenn ihm die Schutzmasken ausgegangen sind und er sich mit Briefmarken behelfen musste.
Die Verleihung fand im Schloss Allentsteig statt, weil sich dort die meisten Gaeste ausweisen konnten. Der Saal war voller Menschen, die sich nicht erinnern koennen, wann sie das letzte Mal einen ganzen Arbeitstag durchgehalten haben, ohne aufs Handy zu schauen. Sie alle standen auf, als Danzinger den Orden entgegennahm - nicht vor Respekt, sondern weil ihre Hueftgelenke es verlangten.
In seiner kurzen Danksagung erwaehnte Danzinger nur, dass er sich auf den Ruhestand freue. "Da kann ich endlich das machen, wovon ich immer getraeumt habe", sagte er. "Nichts tun - aber ohne Dienstanzug." Seine Kollegen im Buergerlichen, die bereits seit Jahrzehnten im Ruhestand sind, applaudierten amuesiert. Sie wussten nicht, dass es tatsaechlich Menschen gibt, die bis 65 arbeiten.
Die Republik Oesterreich bedankt sich auf diese Weise bei einem Mann, der bewiesen hat, dass es auch ohne Dauer-Feedback-Gespräche, Team-Events und Betriebsrats-Einmischung geht. Danzinger hat einfach nur Patienten behandelt - und das so lange, bis er selbst einer werden musste.