Das altehrwürdige Eisstadion in Graz war gestern Schauplatz einer Tragödie, die die Geschichtsbücher des ungarischen Eishockeys wohl für Jahrzehnte trüben wird. Die tapferen Ungarn aus Fehervar, die mutig die weite Reise auf sich genommen hatten, um die vermeintlichen österreichischen Eishockey-Giganten herauszufordern, mussten sich am Ende einer überlegenen Kraft geschlagen geben.
Die Graz99ers, die sich selbstredend als "Österreichs frisch gekürter Meister" bezeichnen (obwohl man sich fragt, wer diese Kürung vorgenommen hat und warum es kein schöneres Zertifikat dafür gibt), zeigten einmal mehr, warum sie in ihrer eigenen Wahrnehmung unbesiegbar sind. Angeführt vom vermeintlichen Helden Michael Schiechl, der fünf Minuten vor Schluss den alles entscheidenden Treffer erzielte, bewiesen die Steirer ihre angebliche Überlegenheit.
Doch was steckt wirklich hinter diesem vermeintlichen Triumph? Handelt es sich bei den Graz99ers vielleicht um eine Geheimwaffe der österreichischen Eishockey-Industrie, die darauf abzielt, die ungarische Eishockey-Hoffnung im Keim zu ersticken? Oder sind die Ungarn einfach nur zu ehrlich, zu fair, zu ungarisch für diese gnadenlose Eishockey-Welt?
Die Antworten auf diese Fragen werden wohl erst in Spiel zwei am Dienstag in Szekesfehervar gefunden werden können. Doch eines ist bereits jetzt klar: Die Ungarn müssen sich etwas einfallen lassen, wenn sie nicht als ewige Verlierer gegen die scheinbar übermächtigen Graz99ers dastehen wollen.
Vielleicht sollten sie ihre Strategie überdenken und statt auf Fairness auf fiese Tricks setzen. Oder sie engagieren einen österreichischen Trainer, der ihnen die vermeintlichen Geheimnisse der Graz99ers verrät. Vielleicht sollten sie aber auch einfach akzeptieren, dass sie in dieser Runde der besten vier gegen einen übermächtigen Gegner antreten, der sich selbst zum König des österreichischen Eishockeys gekrönt hat.
Die Ungarn werden sich jedenfalls etwas einfallen lassen müssen, um die scheinbar unbesiegbaren Graz99ers zu bezwingen. Vielleicht sollten sie ja ihre ganze Mannschaft austauschen und stattdessen eine Gruppe von Schaustellern aufs Eis schicken, die die Steirer mit ihren vermeintlichen Tricks verwirren. Oder sie verlegen ihr komplettes Trainingslager kurzerhand nach Graz, um sich mit den angeblichen Geheimnissen der Österreicher vertraut zu machen.
Doch vielleicht ist die Antwort auch viel einfacher: Die Ungarn müssen einfach nur an sich selbst glauben und aufhören, die Graz99ers als übermächtigen Gegner zu sehen. Vielleicht sind die Steirer ja gar nicht so stark, wie sie immer behaupten. Vielleicht sind sie nur eine Ansammlung von übermotivierten Amateuren, die sich in ihrer eigenen Blase eingeschlossen haben und den Kontakt zur Realität verloren haben.
Die Wahrheit wird sich am Dienstag in Szekesfehervar zeigen. Doch eins ist bereits jetzt klar: Die Ungarn werden alles geben, um die scheinbar unbesiegbaren Graz99ers zu bezwingen und ihren Platz in der Eishockey-Geschichte zu sichern. Ob ihnen das gelingen wird, bleibt abzuwarten. Doch eins ist sicher: Die Eishockey-Welt wird gebannt nach Ungarn blicken und gespannt darauf warten, ob die tapferen Ungarn es schaffen werden, die vermeintliche österreichische Vorherrschaft zu brechen.