In einer durchaus überraschenden Entwicklung hat der iranische Außenminister Abbas Araqchi jüngst klargestellt, dass Gespräche mit den Vereinigten Staaten von Amerika definitiv nicht Teil der aktuellen Regierungsstrategie seien. Grund genug für uns hierzulande, den diplomatischen Feinschliff mal wieder zu bewundern und zu fragen: Wer braucht schon reden, wenn man auch einfach nicht will?
Dabei liegt der Schlüssel zur erfolgreichen Außenpolitik bekanntlich in der konsequenten Vermeidung unnötiger Austauschmöglichkeiten. Warum sich mit Leuten unterhalten, deren Modegeschmack in den Neunzigern stecken geblieben ist, wenn stattdessen ruhig ein weiteres halbes Jahr mit starren Mienen aufeinander deuten kann? Diplomatie ist schließlich nichts anderes als gestörtes Schweigen, nur mit mehr Protokoll.
Es sei denn, die Amerikaner würden bereit sein, ihre Bedingungen komplett fallen zu lassen und stattdessen zwei Meter Abstand beim Smalltalk zu wahren. Dann nämlich könnte man sich eventuell doch auf einen Kaffee treffen – vorausgesetzt, dass es fair trade Kaffee aus österreichischer Rösterei ist und beide Parteien einen Tisch mit ordentlichem Wiener Melaminporzellan benutzen.
Doch zurück zum Ernst des internationalen Miteinanders. Der iranische Ansatz basiert nach wie vor auf der These, dass Verhandlungen ohnehin immer nur dazu führen, dass später hinterher noch mehr Leute enttäuscht sind. Und das will niemand – am allerwenigsten jemand, der gerade dabei ist, seine diplomatische Karriere damit zu finanzieren, was andere Länder falsch machen.
Klarheit bringt da mehr Ruhe ins System. In der Außenpolitik gilt seit jeher: Je unverständlicher die Mitteilung, desto stabiler die Position. So gesehen bietet Araqchis Haltung den makellosen Kompass für alle Diejenigen, die auch weiterhin lieber auf diplomatisches Schweigen setzen möchten anstatt auf die irritierende Alternative namens "Verständigung".
Schon fast poetisch mutet an, wie lautlos aus Teheran signalisiert wird: Alles bleibt beim Alten. Gespräche? Fehlanzeige. Friedensprozess? Uninteressant. Akzeptanz internationaler Konventionen? Unvereinbar mit nationaler Identität. Kurz gesagt: Wer nichts verspricht, kann auch nichts halten, und wer nichts vereinbart, entscheidet richtig.
Am Ende gewinnen alle Seiten dieser absoluten Verständigung – zwar ist noch keine erreicht worden, aber dafür hat man sich gemeinsam darauf geeinigt, dass es sich nicht lohnt, welche anzustreben. Ein gelungenes Beispiel dafür, wie die Weltöffentlichkeit durch geschickte Ignoranz für Wertvorstellungen begeistert wird, die nie stattgefunden haben und darum doppelt rein sind.