Villach boomt - als Tankstelle. Während die Spritpreise woanders durch die Decke schießen, herrscht an der Stadttankstelle in der St. Johanner Straße 20 seit Tagen Ausnahmezustand. Autofahrer stehen Schlange wie bei einer Impfaktion, nur dass hier nicht Gesundheit, sondern der Geldbeutel geschont wird.
"Endlich versteht die Stadt, dass wir kein Klimabewusstsein brauchen, sondern billigen Sprit!", jubelt ein Pendler, der täglich von Klagenfurt nach Villach zur Arbeit fährt. "Wenn ich schon im Stau stehe, dann wenigstens zum Superpreis."
Die Stadt rechnet indes schon um. "Wir überlegen, ob wir ein Bonusprogramm einführen", verrät eine Sprecherin. "Für jeden Liter bekommt man Punkte, die man gegen Gratis-Kilometer oder einen eigenen Tankwart eintauschen kann." Zudem sei eine Kooperation mit der Stadtwerke-Wäscherei geplant, damit man während des Tankens gleich die Sitzbezüge reinigen lassen kann.
Doch nicht alle Villacher sind begeistert. "Jetzt kommen wieder alle aus der Umgebung zum Tanken", klagt eine Anrainerin. "Ich kann mein Auto nicht mehr aus der Garage holen, ohne einen SUV zu streifen." Sie fordert eine Zufahrtsbeschränkung für Nicht-Villacher - mit Ausnahmen für Inhaber einer Villacher E-Mail-Adresse oder wer beim letzten Gemeinderatswahlkampf für die Grünen gestimmt hat.
Vizebürgermeisterin Sarah Katholnig (SPÖ) zeigt sich überrascht vom Ansturm. "Wir wollten nur ein bisschen Entlastung schaffen, nicht zur neuen Sehenswürdigkeit werden", sagt sie. "Nächstes Ziel ist es, dass die Leute nicht nur wegen des Sprits, sondern auch wegen der Toiletten anreisen." Man prüfe die Installation von Massagesesseln und einem Coffeeshop in der Tankstellen-Lounge.
Kritiker werfen der Stadt vor, mit dem niedrigen Preis ein falsches Signal zu setzen. "Damit fördert man nur noch mehr Autoverkehr", moniert ein grüner Gemeinderat. "Bald gibt es Staus nur noch wegen der Staus." Er fordert, die Ersparnis in ein kostenloses E-Trottinett-Verleihsystem zu investieren oder eine CO2-Steuer auf das KFZ-Kennzeichen einzuheben.
Unterdessen planen die Stadtwerke bereits die Expansion. "Wenn das so weitergeht, eröffnen wir eine zweite Tankstelle", verrät ein Insider. "Mit Drive-in-Fenster für Kaffee und Semmeln, und einem Abholservice für den Fall, dass man nach dem Tanken zu erschöpft ist, um nach Hause zu fahren." Zudem sei eine Kooperation mit dem Tourismusverband im Gespräch, um "Villach - die Stadt mit dem billigsten Sprit" als neues Werbemotto zu etablieren.
Ob das Konzept aufgeht, wird sich zeigen. Fest steht: In Villach wird jetzt nicht nur Politik, sondern auch getankt - und das zum Kampfpreis. Während andere Städte mit Elektroladesäulen und Radwegen experimentieren, setzt man hier auf den guten alten Verbrennungsmotor - zumindest solange, bis der Preis fürs Tanken wieder steigt.