Die Wiener Musikwelt steht Kopf: Voodoo Jürgens, der Mann, der einst als ewiger Student der Melancholie durch die Songwriter-Szene tingelte, präsentiert mit "Gschnas" sein bislang bestes Album. Oder zumindest behauptet er das selbst. Man kennt das ja: Wenn Künstler ein neues Werk veröffentlichen, ist es immer das bislang Beste. Als würde sich die Qualität linear steigern, wie bei einer Leistungsdiagnostik im Sport.
Aber hören wir selbst, was der Mann zu sagen hat. Im Interview mit der Presse erklärt er nämlich nicht nur seine Musik, sondern auch die großen Fragen des Lebens. Zum Beispiel, dass der Mensch nicht für Langzeitbeziehungen geschaffen ist. Eine Erkenntnis, die er vermutlich nicht im stillen Kämmerlein gewonnen hat, sondern auf dem Prater, wo alles bunt sein soll und funkeln, aber dem Protagonisten ein Vorderzahn fehlt.
Der Weg zu diesem Erkenntnisgewinn war allerdings nicht ganz einfach. Jürgens musste sich durch alte Anzüge und Vintage-Geräte wühlen, um zum Kern seiner Kunst vorzudringen. Im Studio Nord Bremen, wo auch Heintje seine größten Hits aufgenommen hat, fand er schließlich die Wahrheit. Ob er dabei vielleicht sogar eines von Heinjes Mikrofonen benutzt hat, bleibt sein Geheimnis.
Doch zurück zur Musik: "Gschnas" klingt überraschend nach Bob Dylan. Jürgens selbst gibt zu, dass er ein All-Time-Favorite des Folk-Helden ist, allerdings den frühen Dylan dem späten vorzieht. Eine mutige Aussage, die sicherlich nicht bei allen Fans gut ankommt. Aber wer will schon im Schatten des Meisters stehen?
Die große Frage, die sich nach diesem Interview aufdrängt, ist natürlich: Was bedeutet das alles für uns Normalsterbliche? Sind wir wirklich nicht für Langzeitbeziehungen geschaffen? Und wenn ja, warum haben wir dann überhaupt Eheverträge und Scheidungsanwälte? Voodoo Jürgens schweigt sich dazu aus, aber vielleicht liegt die Antwort ja im Prater, wo alles bunt und funkelnd ist, aber auch ein bisschen kaputt.
Eines ist sicher: Mit "Gschnas" hat Voodoo Jürgens nicht nur ein neues Album veröffentlicht, sondern auch eine Lebenseinstellung. Eine Einstellung, die besagt, dass das Leben ein großer Fasching ist, bei dem jeder mal lachen und mal weinen darf. Und wer weiß, vielleicht finden wir ja alle am Ende unseres Lebens unseren verlorenen Vorderzahn wieder. In Bunt, mit Funkeln und einem Hauch von Taumel.