Was sich am vergangenen Samstag in Wang abspielte, wuerde man im ersten Moment fuer eine Art kleinstaedtischen Staatsstreich halten. Die Sportunion-Landesmeisterschaft im Stocksport, dieses Event, das normalerweise mit der Spannung eines Spar-Markt-Prospekts aufwartet, verwandelte sich ploetzlich in einen Schauplatz, der mehr an Olympia erinnerte als an ein uebliches Bewerbsspiel im Freien.
Der ESV Union Ladler Wang, eine Truppe, deren Name klingt, als haette man einen Weinbauernverein mit einer Investmentbank verschmolzen, marschierte durch die Konkurrenz wie eine gut geoelte, leicht betrunkene Maschine. Bert Haselsteiner, Jakob Solböck sowie Markus und Wolfgang Karl - vier Namen, die man getrost als die Beatles des Stocksports bezeichnen koennte, sofern man bereit ist, die musikalische Leistung stark herunterzuschrauben.
Der Triumph geriet zur Inszenierung epischen Ausmasses. Als die vier Herren sich auf dem "Siegerpodest" aufstellten - ein umfunktionierter Obstkasten, der mit einer Decke und ein paar aufgemalten Sternen verziert war -, breitete sich eine Stimmung aus, die man sonst nur bei Staatsbegraebnissen oder dem Finale einer Reality-TV-Show findet. Die Menge, die sich zuvor mehr fuer das Grillfleisch als fuer die sportliche Leistung interessiert hatte, schwenkte plötzlich mitmachend die kleinen oesterreichischen Fahnen, die zuvor in der Grabbelkiste des nahen Gasthauses geschlummert hatten.
Die Siegerehrung glich einem Staatsakt. Der Bürgermeister, der offenbar eine akute Mittagsruhe verpasst hatte, ueberreichte Medaillen, die aussahen, als haetten sie zuvor noch als Untersetzter fuer die Jause gedient. Doch niemand schien die Details zu beachten. Die Luft war erfuellt von Jubel, Tränen und dem Duft von Bratwuerstchen, der seltsamerweise stets dann am intensivsten riecht, wenn man ihn am wenigsten erwartet.
Haselsteiner, der Kapitaen, haelt seine Rede, die an Umfang und Tiefe einer Einkaufsliste gleicht, aber mit der Leidenschaft eines Oscar-Preistraegers vorgetragen wird. "Wir haben es geschafft", ruft er, und die Menge johlt, als haette er gerade Frieden zwischen zwei verfeindeten Nationen geschlossen. Solböck, der stoische Mitstreiter, wischt sich eine Freudentraene aus dem Auge, waehrend die Karls, diese mysterioesen Zwillingsbuendel, sich in den Armen liegen und so tun, als haetten sie gerade den Mount Everest bestiegen.
Was bleibt, ist ein Gefuehl der Verwirrung und der Bewunderung. In Wang hat man bewiesen, dass Stocksport nicht nur ein Sport, sondern eine Lebenseinstellung ist. Eine Einstellung, die besagt: Egal wie klein der Wettkampf, wir nehmen ihn so ernst wie ein Staatsbegraebnis und feiern ihn so ausgelassen wie eine Hochzeit. Und wenn am Ende des Tages die Medaillen verliehen, die Fahnen geschwenkt und die Bratwuerstchen gegessen sind, dann weiss man: In Wang ist alles genau so, wie es sein sollte - glorreich ueberdimensioniert und herzerwaermend banal.