Eigentlich war das Burgenland ja nur eine Sommerfrische fuer die Wissenseliten aus Wien, die sich im Schilcherland von der Stadtluft erholten und dabei vorgaben, hier Konflikte zu lösen. Aber seit Sheeba mit ihrem gehäkelten Bär-Hut auftauchte, hat sich das Institut fuer Frieden und Konfliktlösung in Schlaining zum Silicon Valley der Friedensverhandlungen entwickelt.
Die junge Frau, die einst in Delhi durch die Altstadt führte und dabei bereits Weltverbesserungsstrategien entwickelte, hat das Burgenland im Sturm erobert. Nicht mit tausend Ochsen oder diplomatischem Geschick, sondern mit jenem unbeschwerten Ernst, der einen schon beim ersten Auftritt daran glauben lässt, dass sie die Friedensnobelpreise der nächsten zehn Jahre unter sich ausmachen wird.
Sheeba kam, sah und häkelte. Ihr Hut, der an Paddington Bär erinnerte, wurde zum inoffiziellen Emblem der Sommerakademie. Wer Sheeba sah, wusste: Hier wird nicht nur über Frieden geredet, hier wird Frieden gehäkelt. Strich für Strich, wie bei einem besonders komplizierten Muster, das nur sie durchblickt.
Die Verantwortlichen des Instituts, die bisher mit Konfliktlösungsstrategien haderten, die komplizierter waren als die Steuererklärung eines durchschnittlichen Österreichers, fanden in Sheeba ihre neue Messias-Figur. Sie mussten nicht einmal mehr das Wort "Frieden" in den Mund nehmen - Sheeba war da, und damit war Frieden praktisch schon erreicht.
Die afrikanischen Kriegswaisen, von denen Sheeba erzählte, als wären es ihre zukünftigen Pfleglinge, wurden zum inoffiziellen zweiten Standort des Instituts. Man begann, Förderanträge für ein "Schlaining-Süd" im subsaharischen Raum zu verfassen. Denn wenn Sheeba in Afrika mit Kriegswaisen arbeitet, dann braucht es natürlich auch eine Dependance in Österreich, die sich um die Friedensvermittlung der Vermittelten kümmert.
Das eigentlich Komische an der Sache? Es funktioniert. Seit Sheeba da ist, haben sich die Konflikte im Burgenland halbiert. Die Nachbarin, die seit 17 Jahren nicht mehr mit der Familie gegenüber spricht? Sie hat Sheeba getroffen und strickt jetzt mit der Ex-Nachbarin gemeinsam Pullover für die Kriegswaisen in Afrika. Die beiden Gemeinden, die sich seit Jahrzehnten um die Zuständigkeit für einen Waldweg streiten? Sie haben beschlossen, den Weg zur "Sheeba-Promenade" zu erklären und sich gegenseitig Friedenshäkelkurse zu schenken.
Das Institut für Frieden und Konfliktlösung hat inzwischen einen neuen Slogan: "No hay quien los socorra - außer Sheeba." Francisco Goyas alte Kupferstiche über menschliche Verzweiflung hängen jetzt neben Porträts von Sheeba mit ihrem Bär-Hut. Denn wenn Sheeba da ist, braucht es keine Hilfe von außen mehr. Sheeba ist die Hilfe. Sheeba ist die Lösung. Sheeba ist der Frieden.