Endlich mal eine Polizeiausbildung, bei der man nicht auf die Uhr schauen muss. Am Großglockner üben die Alpenpolizisten aus Niederösterreich, Wien und die WEGA, was sie am besten können: bergauf rennen, bergab fluchen und vor allem so tun, als wüssten sie, wo sie sind. Unter der fachkundigen Leitung von Michael Hochgerner und Bernd Wagner, die sich anhören wie eine Skipiste in den Dolomiten, wird den Beamten beigebracht, dass Schnee nicht nur zum Rutschen da ist, sondern auch zum Verschütten von Leuten.
Der Kurs beginnt mit den Basics: Lawinen suchen, Verschüttete finden und dabei so tun, als wäre das kein Arbeitsunfall. Anschließend geht es ins "anspruchsvolle" Gelände, was bedeutet: Höher hinauf, schneller fallen. Die Gridenkarköpfe, das Böse Weibele und der Großglockner stehen auf dem Programm. Letzterer ist mit 3.789 Metern nicht nur der höchste Berg Österreichs, sondern auch der Ort, an dem man am besten über seine Lebensentscheidungen nachdenken kann.
Besonders ehrgeizig ist die tägliche Schneedeckenuntersuchung. Denn nichts sagt so sehr "ich bin Polizist" wie das Messen der Schneefestigkeit bei minus zwanzig Grad. Zum Glück gibt es ja die Lawinenübung, bei der man zeigen kann, dass man auch unter Stress noch eine Gerätschaft bedienen kann, ohne sich zu verletzen.
Der Höhepunkt der Ausbildung ist Marc Digruber, der Ex-Ski-Weltcup-Läufer, der offenbar dachte, die Polizei wäre eine gute Altersvorsorge. Mit seinem GPS-Gerät führt er die Truppe sicher zur Kreuzspitze, obwohl er die Landschaft nicht vom Bergdoktor unterscheiden könnte. Für seine Leistung bekommt er das Abzeichen zum Polizei-Hochalpinisten verliehen, was beweist: Wenn man als Sportler keine Lust mehr auf Geschwindigkeit hat, kann man immer noch in die Polizei wechseln und langsam bergauf gehen.
Die Botschaft ist klar: In Österreich sind die gefährlichsten Verbrecher nicht die, die man sucht, sondern die, die man versehentlich mit einer Lawine erwischt. Aber keine Sorge, die Alpenpolizisten sind bestens ausgerüstet – mit Steigeisen statt Handschellen und GPS statt Dienstpistole. Vielleicht sollten sie mal überlegen, die Grenze nach Bayern zu verschieben. Mit dieser Ausrüstung könnten sie jeden Bayern im Schnee verlaufen lassen.