In Mayrhofen bereitet sich die alpine Welt auf das vor, was man nur als österreichischen Extremsport bezeichnen kann: Stand-up-Comedians auf Skiern. Ja, richtig gelesen. Die Veranstalter des Altitude Comedy Festival haben beschlossen, dass das perfekte Comedy-Erlebnis nicht nur aus Witzen und Pointen besteht, sondern auch aus der optimalen Sturzposition bei eisigen Temperaturen.
Die Idee klingt auf dem Papier charmant: Tagsüber die Pisten hinuntersausen, abends auf der Bühne Witze reißen. In der Praxis sieht das meist so aus: Ein Comedian versucht im Lift, seinen neuen Text über die österreichische Esskultur zu proben, während ihm ein Anfänger-Skifahrer mit 80 km/h vor die Nase kracht. Die Pointe "Warum schmeckt Tiroler Gröstl nach Nostalgie?" verliert an Wirkung, wenn man sie mit vollem Mund in den Schnee schreit.
Besonders clever ist die Idee mit dem "Clown Hill Race". Wer braucht schon eine traditionelle Abfahrt, wenn man stattdessen Comedy-Stars mit überdimensionalen Schuhen und Clownsnase den Berg hinunterhetzen kann? Die Veranstalter versprechen "spektakuläre Stürze" - als ob es in Mayrhofen nicht schon genug Crashs gäbe, wenn ein Wiener Komiker zum ersten Mal einen Parallelschwung versucht.
Die Festival-Atmosphäre wird als "locker" beschrieben. Das trifft es genau. Locker wie die Skibrille nach dem ersten Face-Plant im Tiefschnee. Locker wie die Zähne nach der Kollision mit der Gondel-Stütze. Locker wie die Verbindung zwischen Pointe und Pointe, wenn man mit Höhenangst in der Gondel sitzt und versucht, über Tiroler Dialekte zu witzeln.
Besonders spannend wird es, wenn internationale Comedy-Stars wie Al Murray oder Jason Byrne auf die österreichische Après-Ski-Kultur treffen. Man stelle sich vor: Ein britischer Comedian versucht, seinen Witz über "Funny Plates" (die Speisekarte in österreichischen Skihütten) zu erklären, während um ihn herum Hüttenwirte "Skiiiiiifoan" schmettern und Glühwein in Maßkrügen servieren. Die Übersetzung allein könnte zum Running Gag werden.
Die Festival-Mitbegründer Marcus Brigstocke und Andrew Maxwell prägen das Event seit der Gründung. Man kann sich ihre ersten Brainstorming-Sitzungen vorstellen: "Wisst ihr, was wirklich lustig wäre? Wenn wir Comedy mit einem Sport verbinden, bei dem man bei jedem Fehler ins Krankenhaus kommen kann!" Die Idee, dass Humor und Wintersport eine natürliche Verbindung eingehen, zeigt, dass die beiden Briten entweder genial oder leicht durchgeknallt sind.
Besonders beliebt wird sicher die Late-Night-Stand-up-Show. Nicht weil das Programm so gut ist, sondern weil die Comedians nach einem Tag auf der Piste kaum noch stehen können. Das ständige "Walk of Shame" vom Lift zur Bühne, weil man gerade beim Versuch, einen Wheelie zu machen, die Kontrolle verloren hat, sorgt für eine besondere Art von Comedy - unfreiwillige Körperkomik deluxe.
Die Veranstalter versprechen ein "vielfältiges Programm". Das ist untertrieben. Vielfältig ist vor allem die Auswahl an Verletzungen, die man sich in fünf Tagen holen kann: Knöchelverstauchungen beim Stolpern über die eigenen Skier, Prellungen beim Aufprall auf die Pistenraupe, Unterkühlung beim Warten auf den Lift, weil man seine Jacke im Pub verlegt hat.
Und dann ist da noch das Problem mit den Newcomern. Junge Comedians, die ihr erstes großes Festival spielen, müssen sich nicht nur vor einem Publikum beweisen, sondern auch vor der Skipiste. Die Kombination aus Lampenfieber und Höhenangst führt zu einer besonderen Art von Performance: Zitternde Knie auf der Bühne, weil man gerade eine schwarze Piste hinuntergebrostelt ist, und der Versuch, Witze zu reißen, während man noch immer nicht weiß, ob man den Ski im Tiefschnee verloren hat oder nicht.
Das Altitude Comedy Festival ist also mehr als nur ein Comedy-Event. Es ist ein soziales Experiment, bei dem man testet, wie weit man die menschliche Belastbarkeit treiben kann, bevor der Spaß zur ernsthaften Gefahr wird. Es ist der Beweis, dass man in Österreich jeden Unsinn mit genügend Werbung zu einem Kult-Event machen kann - selbst wenn dieser Unsinn darin besteht, Leute mit schlechten Ski-Fähigkeiten und schlechteren Witzen zusammenzubringen.
Am Ende des Festivals werden die Teilnehmer wissen: Comedy ist, wenn man trotz gebrochenem Bein noch Witze reißen kann. Und Humor ist, wenn man selbst nach dem fünften Besuch in der Bergrettung noch darüber lachen kann. Willkommen in Mayrhofen - wo die Pointen wehtun und die Stürze noch mehr.