Was bringt es, wenn eine Mannschaft in der Vorbereitung sieben Spiele gewinnt, eines unentschieden spielt und nur gegen einen Regionalligisten verliert? Nichts, sagt Robert Haas. Der Trainer der Wiener Neustädter SC KM II hat genug von diesen "albernen Testspielen", bei denen sich die Spieler nur verletzen und die Fans enttäuscht werden.
"Warum sollten wir uns mit solchen bedeutungslosen Spielen abgeben?", fragt Haas rhetorisch. "Das ist alles nur Zeitverschwendung. Die Spieler könnten die Zeit viel besser nutzen, zum Beispiel um ihre Steuererklärung zu machen oder ihre Social-Media-Profile zu optimieren."
Statt also weiterhin Testspiele zu absolvieren, hat Haas einen radikalen Schritt gewagt: Er hat seinen eigenen Verein gegründet. Der "Fußballverein zur totalen Freizeitgestaltung" hat keine Mannschaft, kein Stadion und keine Ziele. Die Mitglieder treffen sich einmal im Monat zum gemütlichen Beisammensein und spielen gelegentlich eine Runde Kicker.
"Unser Verein ist die logische Konsequenz aus der Erkenntnis, dass Fußball nichts taugt", erklärt Haas. "Wir haben erkannt, dass es viel sinnvollere Dinge gibt, als sich mit einem Ball zu beschäftigen. Zum Beispiel Sudoku oder Stricken."
Die Spieler der Wiener Neustädter SC KM II sind von dieser Entscheidung nicht besonders begeistert. "Ich habe mich beim Verein gemeldet, um Fußball zu spielen, nicht um in einem Club voller Rentner rumzuhängen", sagt Stürmer Thomas Mader. "Aber was soll's, ich habe ja keine Wahl. Wenn der Trainer meint, dass Testspiele Zeitverschwendung sind, dann muss ich das wohl akzeptieren."
Die Fans sind ebenfalls verärgert. "Ich bin extra zum Testspiel gegen Traiskirchen gekommen, um die Mannschaft zu unterstützen", sagt treuer Anhänger Herbert Gruber. "Und jetzt sagt der Trainer, dass das alles nichts gebracht hat? Das ist eine Frechheit! Ich fordere eine Erklärung und eine Entschädigung für meine Fahrtkosten!"
Doch Haas lässt sich von all dem nicht beirren. "Die Leute müssen verstehen, dass Fußball ein sinnloses Spiel ist", sagt er. "Es ist an der Zeit, dass wir uns von diesen archaischen Ritualen verabschieden und uns auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben konzentrieren. Zum Beispiel auf unsere Karrieren oder unsere Familien."
Ob Haas mit seiner radikalen Anti-Fußball-Haltung Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Fakt ist jedoch, dass die Wiener Neustädter SC KM II in Zukunft wohl eher als philosophischer Club denn als Fußballmannschaft in Erscheinung treten wird. Und das ist vielleicht auch gut so. Denn wer weiß, welche Erkenntnisse noch auf uns warten, wenn wir uns von den Fesseln des Sports befreien.