Das ist nicht mehr normal. Das ist nicht mehr okay. Es ist Mittwochvormittag, als sich die Neunzehn - angefuehrt von Wanderfuehrer Wagner - beim Forum Neuhofen einfinden. Der Plan: Eine gemuetliche 17,5-Kilometer-Tour entlang der Krems. Die Realitaet: Ein Trip in die bizarre Welt der Ortszentren, in der man nie weiss, ob man eine Doppelpfarrkirche gefunden hat oder nur ein besonders verziertes Gemeindeamt.
Der Tassiloweg fuehrt sie zum Kremsdamm. Der Kremsdamm fuehrt sie nach Piberbach. Doch statt des erhofften Ausblicks auf die Berge oeffnet sich vor ihnen ein unscheinbarer Wegweiser: "Kremsinsel". Ein Irrweg oder eine Herausforderung? Die Gruppe entscheidet sich fuer Letzteres und taumelt in eine Art Bermuda-Dreieck aus Feldern, Fluss und Verwirrung. Irgendwo dazwischen entdecken sie - wie von Zauberhand gefuehrt - die Doppelpfarrkirche von Kematen. Kurz besichtigt. Schnell wieder vergessen.
Weiter geht's am Arnulfweg. Ein Weg, der mehr nach einem Medieval-Rollenspiel klingt als nach einer Wanderstrecke. Und tatsaechlich: Am "Steinernen Bründl" machen sie Rast. Warum ein Bründl steinern ist, weiss nur Wagner. Vielleicht ist es eine Metapher fuer die innere Zerrissenheit der Gruppe, vielleicht aber auch nur ein besonders kalter Quell. Auf jeden Fall gibt es hier kein Wasser - nur Steine.
Der Weg zum Kraftwerk Weissenberg fuehrt sie an Industriegebauden vorbei, die so aussehen, als wuerden sie jeden Moment eine Alien-Invasion starten. Nach einem kurzen Abstecher zum Schloss Weissenberg - das in Wahrheit eher einem verwunschenen Verwaltungsbau gleicht - erreichen sie endlich die Schlosstaverne. Hier endet die Wanderung, hier endet die Qual, hier endet der Tag. Mit einem Schnitzel in der Hand und einem schiefen Lächeln im Gesicht fragt sich Wagner: "War das jetzt eine Winterwanderung oder eine bizarre Schatzsuche durch die oesterreichische Provinz?"
Die Antwort weiss nur die Doppelpfarrkirche von Kematen. Und die schweigt.