Die Uhrenindustrie jubelt, die Menschen seufzen: Es ist wieder soweit. In der Nacht von Samstag auf Sonntag werden unsere Zeitmesser gnadenlos um eine Stunde nach vorne gedreht, als wären sie bloße Spielfiguren in einem makabren Machtspiel der Bürokraten. Wer jetzt noch an die heilige Einheit der Zeit glaubt, lebt offenbar hinterm Mond – oder zumindest hinter einer analogen Uhr.
Die jährliche Zeitumstellung ist nichts anderes als ein kollektiver Akt der Selbstverstümmelung. Wir reißen uns den Schlaf aus den Augen, nur um abends noch eine Stunde länger im grellen Neonlicht der Zivilisation zu verharren. Die Sonne, dieses sture Urgestein, lässt sich davon freilich nicht beeindrucken. Sie geht auf und unter, wann es ihr passt, und lässt uns Menschen im Regen stehen – oder im Fall der Sommerzeit: im noch etwas längeren Dämmerlicht.