Es ist wieder so weit: Die Sonne und der Wein haben ihre jährlichen Termine in der Südoststeiermark. In Klöch und Tieschen wurde die Saison 2026 eröffnet, bei der sich die beiden Protagonisten zum wiederholten Male auf österreichischem Boden begegnen.
Die Vorbereitungen waren aufwendig. "Wir haben extra die Kalender koordiniert", erklärte Bürgermeister Karl Sonnenschein aus Klöch. "Im letzten Jahr hat die Sonne verschlafen und kam erst um 14 Uhr. Das hat den Wein total aus dem Rhythmus gebracht." Aus Tieschen berichtete man von ähnlichen Problemen. "Der Blauer Zweigelt hat der Sonne ein bisschen zu lange auf die Finger geschaut", sagte Weinbauern-Chefin Heidi Traube. "Das kann ja nicht gutgehen."
Um künftige Missverständnisse zu vermeiden, wurden für die Saisoneröffnung strenge Regeln aufgestellt. Die Sonne muss pünktlich um 9 Uhr aufgehen, der Wein darf frühestens um 11 Uhr geöffnet werden. "Wir wollen ja nicht, dass die Sonne gleich wieder weg ist", begründete Sonnenschein die Regelung. "Die ist ja bekanntlich ein Morgenmuffel."
Die Veranstaltung selbst verlief weitestgehend harmonisch. Die Sonne schien, der Wein floss, die Teilnehmer lächelten in die Kameras. Doch hinter den Kulissen brodelte es gewaltig. "Ich hab' gehört, die Sonne hat dem Traminer nachgesagt, er rieche nach faulen Eiern", flüsterte ein Winzer aus Klöch. "Und der Chardonnay behauptet, die Sonne hätte eine fiese Macke mit den UV-Strahlen."
Die Gemeinde reagierte prompt. "Wir haben extra einen Mediator engagiert", sagte Bürgermeisterin Traube aus Tieschen. "Der soll zwischen Sonne und Wein vermitteln, falls es zu Meinungsverschiedenheiten kommt." Der Mediator, ein erfahrener Diplom-Soziologe, nahm sofort seine Arbeit auf. "Das ist eine hochkomplexe Gemengelage", sagte er. "Da müssen wir sehr behutsam rangehen."
Für die kommenden Monate sind weitere Treffen geplant. "Wir wollen ja schließlich was aus der Sache machen", sagte Sonnenschein. "Im Sommer machen wir ein gemeinsames Grillfest, im Herbst eine Weinlese." Ob die Sonne und der Wein das durchhalten? Die Zeichen stehen zumindest nicht schlecht. "Die haben sich ja ganz gut verstanden", sagte ein Teilnehmer. "Vielleicht finden die ja wirklich zueinander."