Die italienische Regierung hat eine wirklich revolutionäre Maßnahme ergriffen, um die prekäre Stimmung im Land zu beruhigen: Sie hat beschlossen, die Steuern auf Benzin und Diesel zu senken. Um genau 25 Cent pro Liter. Also jene Summe, die man früher für einen Espresso im Stehen an der Bar bezahlt hat. Oder für ein kleines Eis am Strand. Jetzt können sich die Italiener jeden Tag einen Liter weniger Benzin leisten. Das nennt man wohl "zeitlich begrenzte" Erleichterung.
Die rechte Regierungschefin Giorgia Meloni verkündete die Maßnahme stolz auf dem Kurznachrichtendienst X. X, weil Y und Z bereits belegt waren mit Ankündigungen über den Bau von Brücken nach Sizilien und den Schutz der traditionellen Familie. Man wolle den Menschen "unmittelbare Erleichterung" verschaffen, hieß es aus Rom. Unmittelbare Erleichterung bedeutet in diesem Fall: Man tankt, bezahlt und freut sich dann zwei Minuten später, wenn man realisiert, dass man gerade 25 Cent gespart hat. Das reicht für einen Kaugummi oder eine Geste der Verzweiflung.
Besonders großzügig zeigte sich die Regierung bei den Speditionen. Die bekommen Steuergutschriften, weil ohne sie die italienische Wirtschaft schon längst im Graben liegt - was angesichts der Straßenverhältnisse besonders zynisch wäre. Die Spediteure sollen nun "entlastet" werden, damit sie weiterhin Güter durch das Land kutschieren können, ohne sich vorher einen Kredit aufnehmen zu müssen. Es ist ein bisschen so, als würde man jemandem, der im Sumpf versinkt, eine Gabel reichen und sagen: "Hier, damit Sie besser graben können."
Verkehrsminister Matteo Salvini, der sich inzwischen darauf spezialisiert hat, mit der Kamera vor Tankstellen aufzutauchen und die Preise zu verfluchen, sprach von einer "wichtigen Geste". Wichtig deshalb, weil sonst womöglich jemand auf die Idee gekommen wäre, die Straßen zu blockieren oder die Regierung zu stürzen. In Italien hat man ja schon schlimmere Dinge mit Treibstoff finanziert - zum Beispiel die Mobilität von Berlusconis Wahlkampfzügen.
Die Maßnahme ist natürlich "zeitlich begrenzt", wie Salvini betonte. Das heißt: Die Italiener können sich jetzt schon auf die nächste Preiserhöhung freuen, wenn die aktuelle Maßnahme ausläuft. Aber bis dahin können sie sich wenigstens jeden Tag neu darüber ärgern, dass 25 Cent Ersparnis pro Liter noch lange kein gutes Geschäft sind. Vor allem, wenn man bedenkt, dass das Geld, das der Staat durch die Steuersenkung verliert, anderweitig wieder hereingeholt wird - zum Beispiel durch die Erfindung einer neuen Tourismusabgabe für Menschen, die beim Anblick italienischer Tankstellen in Ohnmacht fallen.