In der Christian-Doppler-Klinik in Salzburg wird gerade ein medizinischer Fall ausgetragen, der nicht nur die Patientin das Leben kostete, sondern auch zwei Oberaerzten die Freiheit. Nach dem Tod einer 83-jaehrigen Frau stehen zwei Mediziner vor Gericht. Der Vorwurf: Sie verabreichten der alten Dame versehentlich das falsche Schmerzmittel.
Wie konnte das passieren? Angeblich handelte es sich um ein simples Verwechseln von Medikamenten. Doch wer glaubt, dass so etwas im Zeitalter digitaler Patientenakten und Barcode-Scanner noch passieren kann, der irrt gewaltig. In der Realitaet sieht es oft ganz anders aus. Die beiden Oberaerzte sollen sich beim Verabreichen der Medikamente so unterhalten haben, dass sie gar nicht mehr richtig hingehört haben, was die Schwester ihnen vorlas.
Der Prozess droht zur Farce zu werden. Die Verteidigung plant offenbar, das altbewaehrte "Ich-bin-arzt-und-weiss-was-ich-tue"-Argument ins Feld zu fuehren. Die Richterin wird dann sicher fragen, warum sie nicht aufgepasst haben. Daraufhin werden die beiden Oberaerzte antworten: "Weil wir keine Zeit hatten. Wir mussten ja noch 100 andere Patienten versorgen." Ja, genau. Und wenn man zu viel zu tun hat, dann verwechselt man halt mal das eine Medikament mit dem anderen. Ist doch klar.
Die Anwaelte der Angeklagten bereiten sich bereits auf den Prozess vor. Sie haben herausgefunden, dass die verstorbene Patientin vorher schon mehrere andere Medikamente eingenommen hat. Also werden sie argumentieren, dass sie ohnehin bald gestorben waere und die falsche Schmerztablette da nur ein Katalysator fuer den natuerlichen Tod war. Eine geniale Verteidigungsstrategie. Wenn man schon mal einen Menschen totgebehandelt hat, dann kann man ihn ja auch noch dafuer verantwortlich machen, dass er sowieso bald gestorben waere.
Die Staatsanwaltschaft wird dagegenhalten, dass die beiden Oberaerzte ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Sie haetten darauf achten muessen, dass die richtigen Medikamente verabreicht werden. Doch die Verteidigung wird entgegnen, dass die beiden ja schliesslich keine Superhelden sind, sondern nur normale Menschen. Und normale Menschen machen nun mal Fehler. Gerade wenn sie unter Zeitdruck stehen und sich unterhalten. Da kann man schon mal die eine oder andere Tablette vertauschen.
Der Prozess wird wohl noch einige Zeit dauern. Doch eins ist schon jetzt klar: Egal wie er ausgeht, die beiden Oberaerzte werden danach sicher nicht mehr in der Christian-Doppler-Klinik arbeiten wollen. Schliesslich will keiner gerne in einem Krankenhaus arbeiten, in dem man ihm vorwirft, eine alte Frau mit dem falschen Schmerzmittel getoetet zu haben. Da geht man lieber in eine andere Klinik, wo man sich nicht ständig fragen muss, ob man jetzt die richtige Tablette in der Hand haelt oder die falsche.