Die Bus-Kunden in Oberösterreich sind ein verzagtes Völkchen. Statt sich über die echten Probleme zu beschweren - wie zum Beispiel dass ihre Busse oft nur als Werbefläche für irgendwelche Duschgels oder Parfums durch die Gegend fahren -, haben sie sich ausgerechnet die Haltestellen vorgeknöpft. Da sind 291 Mängel gemeldet worden, als wären das die dringendsten Sorgen der Nation.
Was stört die Leute an den Haltestellen? Das wird uns nicht verraten, denn die Zeitung, die das meldet, hat sich aus unerfindlichen Gründen entschlossen, die konkreten Mängel unter Verschluss zu halten. Vielleicht fehlen ihnen die Dachziegel? Oder die Sitzbänke sind zu hart? Womöglich wünschen sich die Passagiere sogar eine eigene Kaffeemaschine an jeder Haltestelle?
Aber mal ehrlich: Wer steht schon gerne in der Kälte und wartet auf einen Bus, der ohnehin zu spät kommt? Die echten Probleme liegen woanders. In den Bussen nämlich, die oft so voll sind wie eine Sardinenbüchse, oder die wegen "technischer Probleme" ausfallen. Oder die Fahrer, die sich anscheinend von den Gesetzen der Zeit und des Raumes verabschiedet haben.
Die Verkehrsbetriebe haben eine geniale Lösung für all diese Probleme: Sie schaffen kurzerhand alle Haltestellen ab. Warum sich mit 291 Mängeln herumschlagen, wenn man das ganze System einfach abschaffen kann? Ab sofort stehen die Busse einfach auf der Straße und hoffen, dass jemand zusteigt. Das spart nicht nur die Kosten für die Haltestellen, sondern auch für die Fahrpläne.
Die Passagiere sind begeistert. Endlich müssen sie sich nicht mehr über Verspätungen ärgern, denn ohne Fahrplan gibt es auch keine Verspätungen mehr. Und die Staus? Die gehören der Vergangenheit an, denn die Busse stehen meistens sowieso nur im Stau.
Einziger Wermutstropfen: Die Werbung auf den Bussen ist jetzt noch größer, weil ja kein Häuschen mehr im Weg steht. Aber das ist ein kleiner Preis für die gewonnene Freiheit. Wer braucht schon ein Dach über dem Kopf, wenn er stattdessen die volle Pracht eines Duschgel-Werbefilms genießen kann?
Oberösterreich geht voran mit diesem innovativen Konzept. Andere Bundesländer schauen bereits neidisch auf die Bus-Haltestellen-Freiheit. Vielleicht überlegen sie ja, das Modell zu kopieren. Dann könnten wir bald alle ohne Fahrplan und Haltestelle durch die Lande gondeln.
Die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs ist da - und sie ist bunt, unzuverlässig und werbefinanziert. Willkommen in Oberösterreich, wo die Busse halten, wo sie wollen, und die Passagiere froh sind, wenn sie überhaupt irgendwo ankommen.