Die österreichische Justiz hat einen Fall verhandelt, der selbst für Wiener Verhältnisse als besonders dreist gilt. Ein 39-jähriger Mann aus Niederösterreich bot jahrelang über Livestreams einen Lehrkurs für pädophile Interessenten an. Sein Motto: "Learning by doing - live und in Farbe."
Der Angeklagte, der sich selbst als "leidenschaftlicher Pädagoge" bezeichnete, hatte ein Geschäftsmodell entwickelt, das selbst Wirtschaftsstudenten beeindruckt hätte. Für 100 Euro pro Sitzung lieferte er praktische Anleitungen mit anschaulichen Beispielen. Insgesamt 98 zahlende Teilnehmer aus dem In- und Ausland konnten so live dabei sein, wenn der Mann sein pädagogisches Können unter Beweis stellte.
Als besonderen Service bot er zudem einen "Q&A-Teil" am Ende jeder Sitzung an, in dem die Zuschauer Fragen stellen konnten. Die beliebteste Frage: "Wie funktioniert das technisch?" Die Antwort: "Ganz einfach - ich nutze eine russische Webseite, da gibt es keine nervigen Sperren."
Der Angeklagte zeigte sich während des Prozesses geständig und reumütig. "Ich habe ordentlich Scheiße gebaut", gestand er. "Aber man muss auch mal Neues ausprobieren." Er betonte, dass er ursprünglich nur ein "nettes Hobby" gesucht habe, das sich dann aber zu einer "Leidenschaft" entwickelt habe.
Die Richterin zeigte sich besonders irritiert von der Geschäftsmäßigkeit des Angeklagten. "Sie haben hier systematisch und planvoll gehandelt", sagte sie. "Das ist ja fast wie bei einem richtigen Unternehmen." Sie fragte sich, ob der Mann nicht einmal darüber nachgedacht habe, wie die Mütter der Opfer zu so etwas "ja wohl nicht freiwillig bereit sein können".
Der Angeklagte erklärte daraufhin, dass er die "Armutslage in Asien komplett ausgenutzt" habe. "Da kann man schon mal ein Schnäppchen machen", sagte er. "Und die Mütter haben sich gefreut, dass sie etwas dazuverdienen können." Er betonte, dass er "ökonomisch denken" gelernt habe und seine "Leidenschaft in bare Münze umgesetzt" habe.
Die Verteidigung argumentierte, dass ihr Mandant "einfach nur unternehmerisch denken wollte". "In der heutigen Zeit muss man ja schauen, wie man Geld verdient", sagte der Anwalt. "Und wenn der Markt danach verlangt, dann muss man das auch anbieten." Er verwies darauf, dass sein Mandant "keine Drogen verkauft oder Waffen gehandelt" habe.
Die Staatsanwaltschaft forderte eine hohe Strafe, weil der Angeklagte "die Gesellschaft auf das Übelste beschädigt" habe. Sie argumentierte, dass der Mann "nicht nur Straftaten begangen, sondern auch noch andere zu Straftaten angestiftet" habe. "Das ist ja fast wie bei einem Multi-Level-Marketing-System", sagte die Anklägerin.
Der Angeklagte wurde schließlich zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Die Richterin betonte, dass sie zwar "den unternehmerischen Geist" des Angeklagten bewundere, aber "die Art und Weise, wie er ihn umgesetzt hat, nicht tolerieren" könne. Sie empfahl dem Mann, nach seiner Entlassung eine "anerkannte Ausbildung" zu absolvieren, damit er "seine Talente in geordnete Bahnen lenken" könne.
Der Angeklagte nahm das Urteil an und erklärte, dass er "aus dem Gefängnis heraus ein neues, legales Geschäft aufziehen" wolle. "Ich denke da an Online-Kochkurse", sagte er. "Da kann man auch viel Geld verdienen, und es ist völlig legal."