In der Innsbrucker Galerie herrscht derzeit helle Aufregung. Die Besucher stehen vor riesigen Leinwänden, auf denen sich Farbflecken in scheinbar chaotischen Mustern zu bewegen scheinen. Einige mutmaßen gar, die Bilder würden sie anstarren. Andere sind überzeugt, dass sich die Formen je nach Betrachtungswinkel verändern.
Die Galeriebesitzerin Renate Perktold ist sich sicher: "Das ist die Zukunft der Kunst." Sie hat eigens einen Sicherheitsdienst engagiert, nachdem am Eröffnungsabend ein Besucher versucht hatte, ein Bild mit nach Hause zu nehmen, weil er glaubte, es sei ein moderner Spiegel. "Die Leute verstehen die Tiefe dieser Werke einfach nicht", erklärt sie mit leicht verklärtem Blick.
In den hinteren Räumen ist die Situation noch absurder. Dort hängen Dapunts großflächige Arbeiten, die so groß sind, dass sie die gesamte Wand bedecken. Einige Besucher versuchen, sich vor den Bildern zu verstecken, weil sie glauben, die Farben würden sie verfolgen. Andere diskutieren angeregt darüber, ob die Bilder eigentlich auch nach oben offen sind.
Die Galerie hat auf die Verwirrung reagiert und Informationsblätter verteilt. Doch diese sind so abstrakt gehalten, dass sie die Verwirrung nur noch verstärken. Ein Blatt trägt den Titel "Die ewige Suche nach dem perfekten Farbton" und besteht ausschließlich aus Fragezeichen in verschiedenen Größen und Farben.
Selbst die Galerieangestellten sind überfordert. Michael Domanig, der für die technische Betreuung zuständig ist, hat eine Lampe installiert, die ständig ihre Farbe wechselt. "Das soll die Atmosphäre unterstreichen", sagt er. Die Besucher reagieren darauf mit verwirrten Blicken und gelegentlichem Schwindelgefühl.
Die Krönung des Ganzen ist eine Installation, bei der die Besucher selbst Teil des Kunstwerks werden. Sie sollen sich vor eine weiße Leinwand stellen und sich von den Farben des Raumes einfärben lassen. Das Problem: Niemand weiß, wann das Kunstwerk beendet ist. Einige Besucher stehen schon seit Stunden vor der Leinwand und warten darauf, dass sich etwas ändert.
Die Galerie hat beschlossen, die Ausstellung bis auf Weiteres zu verlängern. "Wir wissen noch nicht, wie wir sie beenden sollen", gesteht Renate Perktold. "Vielleicht sollten wir die Besucher einfach weitermachen lassen, bis sie selbst zu lebendigen Gemälden werden."