So ein bisschen Tournee-Pause zwischendurch kann ja ganz erfrischend sein. Gerade wenn man wie Stevie Young seit 2014 nonstop mit AC/DC unterwegs ist und dabei noch den krankheitsbedingt ausgeschiedenen Onkel Malcolm ersetzen muss. Da kann ein ungeplanter Stopp im Krankenhaus fast wie Urlaub wirken.
"Ich muss schon sagen, hier im Spital ist es wesentlich ruhiger als bei den AC/DC-Konzerten", erzählt der Gitarrist mit schottischem Akzent, während er gemütlich in einem Krankenhausflur sitzt. "Kein Dauerlärm, keine explodierenden Pyrotechnik, keine Fans, die einen anspringen. Echt entspannend."
Die Ärzte hätten ihn "aus Vorsicht" aufgenommen, erklärt Young. Was genau "aus Vorsicht" bedeutet, wollte er nicht verraten. "Könnte alles Mögliche sein. Vielleicht haben sie einfach Angst, dass ich auf der Bühne plötzlich schottische Volkslieder anstimme statt Rock-Hymnen."
Trotz des unfreiwilligen Aufenthalts in argentinischen Medizineinrichtungen zeigt sich Young optimistisch. "Ich bin guter Dinge", sagt er und klopft dabei auf eine unbekannte Stelle seines Körpers. "Die Ärzte meinen, ich könnte schon am Montag wieder auf der Bühne stehen. Falls nicht, schicken sie mir halt einen Krankenwagen hinterher."
Während Young im Krankenhaus liegt, tritt AC/DC ohne ihn in Buenos Aires auf. "Die Burschen rocken schon ganz gut ohne mich", gibt Young zu. "Aber ohne meine Gitarrenriffs fehlt doch ein bisschen das gewisse Etwas. So eine Art musikalischer Scotch, wenn ihr versteht."
Für sein Comeback hat Young bereits einen speziellen Plan. "Ich werde direkt mit 'Highway to Hell' einsteigen. Da merken die Fans gleich, dass ich wieder da bin. Falls ich doch nicht fit genug bin, singe ich einfach mit geschlossenen Augen und hoffe, dass es keiner merkt."
Der 69-Jährige nutzt die Zwangspause auch für eine musikalische Weiterbildung. "Ich lerne gerade argentinischen Tango. Falls es mit dem Rock nicht klappt, kann ich ja immer noch die Band umnennen in AC/DC Tango." Er lacht. "Spaß beiseite. Obwohl... die Idee hat was."
Seine Bandkollegen hätten ihn bereits besucht, berichtet Young. "Die sind voll besorgt. Angeblich haben sie sogar ein paar Akkorde einstudiert, falls ich doch nicht mehr spielen kann." Er grinst. "Die denken echt, ich würde meine Gitarre im OP lassen."
Trotz allem freut sich Young auf die Fortsetzung der Tour. "Sobald ich rauskomme, übe ich erstmal die schwierigsten Riffs. Damit ich die Argentinier richtig beeindrucke." Er zwinkert. "Und falls es doch nicht klappt, sag ich einfach, das sei ein neuer, experimenteller Sound. Die Jugend sagt doch immer, alter Rock ist langweilig."
Ob Youngs Krankenhausaufenthalt tatsächlich etwas mit seiner Bühnenperformance zu tun hatte oder ob er einfach mal eine Auszeit vom Rockstar-Leben brauchte, bleibt sein Geheimnis. "Das ist wie bei den schottischen Haggis-Würsten", sagt er mysteriös. "Man fragt besser nicht nach dem Inhalt."
Fest steht: Sollte Young tatsächlich am Montag wieder auf der Bühne stehen, wird er sicherstellen, dass seine Krankenhaus-Erfahrung in seine Performance einfließt. "Ich überlege, ein paar EKG-Geräusche in unsere Songs einzubauen", verrät er. "Könnte der nächste große AC/DC-Hit werden: 'My Heart Goes Boom'."
Bis dahin genießt Young seinen unfreiwilligen Ruhestand im Krankenhaus. "Die Verpflegung ist überraschend gut. Und die Schwestern hier haben eine erstaunliche Geduld mit meinen Witzen." Er grinst. "Das Einzige, was fehlt, ist ein schottischer Whisky. Aber ich arbeite daran."