Nachdem der Tropensturm "Narelle" große Teile Nordaustraliens verwüstet hat, haben die Behörden eine überraschende Kehrtwende vollzogen. Statt nur wieder aufzubauen, will man die Naturkatastrophe jetzt als Touristenattraktion vermarkten. "Wir dachten uns, warum nur die Narben verstecken, wenn man damit auch Geld verdienen kann?" sagte Tourismusminister Bob Surfboard.
Besonders beliebt bei den Australiern: die neu geschaffene Surf-Klo-Achterbahn. Wer sich traut, in einem Dixi-Klo auf den Wellen der Sturmflut zu surfen, bekommt eine Gummiente als Trostpreis. "Viele denken, das sei nur was für Hartgesottene, aber unsere Statistik zeigt: 87 Prozent der Teilnehmer kommen mit dem Gesicht voran wieder raus", so Surfboard.
Auch der Nitmiluk-Nationalpark hat eine neue Attraktion: den Nitmiluk-Nudel-Graben. Nachdem der Katherine River seine Schluchten um mehrere Meter vertieft hat, kann man nun mit einer Luftmatratze durch die engen Schluchten gleiten und dabei den Nervenkitzel genießen, ob einem die Felswände den Kopf abtrennen. "Wir nennen es jetzt Katherine-Schluchten-Rodeo", sagt der Parkleiter. "Die Touristen lieben es, wenn man ihnen vormacht, es sei ein authentisches Outback-Abenteuer."
In Katherine selbst hat man bereits auf die nächste Katastrophe reagiert. Da die Böden nach den jüngsten Überschwemmungen so durchweicht sind, dass schon ein Hund, der pinkelt, eine Sturzflut auslöst, hat die Stadt ein Feldlazarett eröffnet. "Wir nennen es das 'Ich-hab-mich-verletzt-Haus'", sagt Len Notaras vom Nationalen Zentrum für Intensivmedizin. "Hier werden die Patienten nicht nach Schwere der Verletzung, sondern nach dem Unterhaltungswert ihrer Geschichte behandelt."
Besonders beliebt bei den Ärzten sind mittlerweile die "Ich-hab-mich-vor-dem-Sturm-verletzt-Fälle". "Da kommen Leute rein, die sich beim Abkleben der Fenster den Daumen abgeschnitten haben oder sich beim Anlegen der Sturmsicherungen selbst ans Bein genagelt haben", sagt Notaras. "Da muss man schon stark sein, um nicht laut loszulachen."
Doch nicht nur die Patienten sorgen für Unterhaltung. Auch die Ärzte selbst haben mittlerweile ein besonderes Hobby entwickelt: das Verletzungs-Bingo. Jeder Arzt bekommt eine Karte mit verschiedenen Verletzungen drauf, und wer als erster einen kompletten Unfallbericht mit allen möglichen Verletzungen zusammen hat, gewinnt einen Gutschein für eine kostenlose Psychotherapie.
"Die Leute hier haben schon viel durchgemacht und werden noch viel mehr durchmachen müssen", sagt Notaras. "Aber hey, zumindest haben wir jetzt was zu erzählen auf Partys. Und wer weiß, vielleicht können wir ja irgendwann mal einen Film draus machen. 'Sturm über Australien 2: Die Rache der Toiletten' oder so."