Wissen Sie, was teurer ist als eine Festspielhaus-Sanierung? Genau: Eine Festspielhaus-Sanierung, die noch nicht einmal begonnen hat. Die Komische Oper Berlin hat es vorgemacht - 477 Millionen Euro für ein bisschen mehr Platz und ein paar neue Lüftungsschächte. Zum Vergleich: Für diese Summe könnte man etwa 1.900 durchschnittliche Einfamilienhäuser bauen oder jeden Berliner mit einem anständigen Opernglas ausstatten.
Direktorin Susanne Moser, gebürtige Salzburgerin und damit automatisch Expertin für üppige Bauvorhaben, kennt das Problem nur zu gut. "Je länger Sie bauen, desto teurer wird es", sagt sie mit der Gelassenheit einer Person, die weiß, dass sie den Rest ihres Berufslebens mit Bauzäunen verbringen wird. Man könnte meinen, sie spricht aus Erfahrung, aber nein - sie hat nur den Leitfaden für Kultur-Investoren auswendig gelernt: "Klingt nach viel? Ist erst der Anfang."
In Berlin haben sie das perfektioniert. Während in Salzburg noch über die Farbe der Fassade diskutiert wird, hat die Komische Oper bereits das dritte Bau-Schild aufgestellt. Das erste stand da: "Sanierung". Das zweite: "Sanierung mit Erweiterung". Das dritte, das aktuell prangt, lautet: "Sanierung mit Erweiterung und Zukunftsinvestitionen". Man könnte es auch "Bauen für Ewigkeit" nennen.
Moser verrät ihr Erfolgsgeheimnis: "Wir haben gelernt, den Begriff 'Fertigstellung' durch 'Evolutionsprozess' zu ersetzen." Klingt modern, klingt fortschrittlich, klingt nach permanentem Geldausgeben. Die Besucher merken sowieso nichts davon. Die sitzen im dunklen Saal und haben ohnehin keine Ahnung, ob gerade das Original-Bühnenbild von 1927 oder die Neuinstallation von 2027 vor ihnen steht.
Besonders clever: Die Komische Oper hat ein eigenes Förderprogramm für Bauverzögerungen aufgelegt. "Jede Verzögerung bringt neue Förderungen", erklärt Moser. "Es ist wie ein Perpetuum Mobile, nur dass es statt Energie Geld verschlingt." Das nennen die Berliner "nachhaltige Finanzierung".
Für Salzburg hat sie einen heißen Tipp: "Setzen Sie von Anfang an auf modulare Bauweise. So können Sie nach und nach neue Bereiche hinzufügen - einen Wellness-Tempel für ermüdete Dirigenten, eine Champagner-Lounge für VIPs, einen Hubschrauber-Landeplatz für Gäste aus Abu Dhabi." Wichtig sei vor allem: "Nennen Sie es nicht 'Bau', sondern 'kulturelle Metamorphose'."
Die Schönheit dieses Systems liegt in seiner Unbegrenztheit. Wenn irgendwann tatsächlich einmal alle Bauarbeiten abgeschlossen sind, kann man einfach eine neue Fassade drüberkleben und von vorne anfangen. "Wir nennen das dann 'renovieren mit Erinnerungskultur'", sagt Moser. "Das klingt nach Heimatpflege, ist aber in Wirklichkeit die Fortsetzung des Bauens mit anderen Mitteln."
Ihr Fazit für alle, die gerade eine Kulturimmobilie besitzen: "Machen Sie sich keine Sorgen um die Kosten. Sorgen Sie sich um die Langeweile. Denn das Einzige, was wirklich teuer ist, ist Stillstand." Und Stillstand, das wissen wir spätestens seit der Pandemie, ist für Kulturinstitutionen das Schlimmste, was ihnen passieren kann - noch schlimmer als eine halbe Milliarde Euro für ein paar neue Garderoben.