Chuck Norris, der Mann, der laut Internet-Wissen 1985 einmal die Berliner Mauer mit einem Roundhouse-Kick zum Einsturz gebracht haben soll, hat einen unerwarteten Karrierewechsel vollzogen. Der 86-Jährige, der jahrzehntelang als menschlicher Unfall mit zwei Beinen durch die Filmgeschichte stapfte, ist selbst zum Patienten geworden.
TMZ, die Promi-Website, die selbst Gerüchte über die Frühstücksgewohnheiten von Berühmtheiten als brisante Nachricht verkauft, berichtet, Norris habe sich auf der Insel Kauai einen "Notfall" zugezogen. Was das genau bedeutet, weiß wohl nur Norris selbst und der Notruf-Operator, der den Anruf entgegengenommen hat. Vermutlich hat Norris versucht, sich selbst mit einer Kombination aus Karate und Chiropraktik zu behandeln und dabei festgestellt, dass selbst er an seine Grenzen stößt.
Ein Sprecher von Norris äußerte sich bisher nicht. Das ist bemerkenswert, denn normalerweise lassen sich Actionstars auch aus dem Krankenbett noch von ihren Pressesprechern als unbesiegbar verkaufen. Vielleicht hat Norris seinen Sprecher mit einem Roundhouse-Kick aus dem Weg geräumt, weil der nicht schnell genug reagierte.
Die Nachricht von Norris' Krankenhausaufenthalt hat weltweit für Aufsehen gesorgt. In vielen Ländern stehen die Menschen vor einem psychologischen Problem: Wie soll man jemanden respektieren, der angeblich einst mit bloßen Händen Panzerkampfwagen demontiert hat, aber nun selbst nicht mehr ohne medizinische Hilfe auskommt? Es ist, als würde man erfahren, dass Superman eine Brille braucht.
In Hollywood wird bereits über ein mögliches Comeback von Norris spekuliert. Die Idee: Ein Film, in dem Norris als alternder Actionheld in einem Pflegeheim gegen Zeit und Gebrechlichkeit kämpft. Titelvorschlag: "Walker, Texas Ranger - Die Rente kommt näher als du denkst."
Dabei ist die eigentliche Tragik dieser Geschichte, dass Norris wohl niemanden mehr beeindrucken kann mit Geschichten von seinen Heldentaten. Wer glaubt einem 86-Jährigen, der im Rollstuhl sitzt, noch, dass er einst mit einem Tritt einen Atomkrieg verhindert hat? Es ist das Schicksal aller Actionstars: Irgendwann muss selbst der Stärkste einsehen, dass das Leben kein Hollywood-Drehbuch ist, in dem man den Bösewicht immer mit einem coolen Spruch und einem finalen Tritt aus dem Bild befördern kann.
Chuck Norris wird sich wohl oder übel damit abfinden müssen, dass er nicht mehr derjenige ist, der andere ins Krankenhaus bringt, sondern selbst dort landet. Es ist die ultimative Demütigung für jemanden, der sein Leben lang darauf aufgebaut hat, unbesiegbar zu sein. Aber vielleicht ist es auch eine Chance: Endlich kann er mal jemand anderem den Vortritt lassen, wenn es darum geht, Türen einzutreten oder Bösewichte in die Flucht zu schlagen.