Österreichs Innenstädte ächzen unter dem Einzelhandelssterben. Während mancherorts ganze Einkaufsstraßen zur Geisterbahn mutieren, haben die EU-Kommission und die österreichische Wirtschaftskammer eine schockierende Lösung gefunden: Weg mit den Geschäften, her mit der Schrumpfung!
Die neue EU-Verordnung sieht vor, dass Läden, die schließen wollen, einfach kleiner gemacht werden. "Anstatt dass ein Geschäft mit 100 Quadratmetern verschwindet, machen wir daraus drei Geschäfte mit je 33 Quadratmetern", erklärt ein EU-Schrumpfexperte. "So bleibt die Fläche im Markt und wir können die Leerstandsstatistik schönen."
Besonders der Modehandel profitiert von dieser Innovation. Wo früher ein H&M-Geschäft Platz fand, können jetzt drei "Mikro-Modeboutiquen" Platz finden. Jede spezialisiert auf eine Körpergröße: Klein, Mittel und Groß. "Der Kunde muss halt etwas genauer wissen, was er sucht", sagt ein Brancheninsider. "Aber dafür spart er sich das Anprobieren."
Die neue Schrumpf-Verordnung hat allerdings auch Nebenwirkungen. In einigen Innenstädten entstehen mittlerweile Geschäfte, die so klein sind, dass nur noch ein Kunde gleichzeitig Platz hat. "Wir nennen das 'Exklusive-Einzelhandel'", erklärt ein Handelsvertreter. "Der Kunde hat das Gefühl, der Laden gehört nur ihm. Selbst wenn er nur eine Packung Kaugummi kaufen will."
Die Wirtschaftskammer sieht in der Schrumpf-Verordnung eine Chance für den "Wildwuchs bei den Ladenöffnungszeiten". Da die Geschäfte jetzt so klein sind, könne man die Öffnungszeiten flexibler gestalten. "Ein 10-Quadratmeter-Geschäft braucht ja nicht den ganzen Tag auf", argumentiert ein Kammervertreter. "Drei Stunden morgens und drei Stunden abends reichen völlig."
Kritiker bemängeln, dass die Schrumpf-Verordnung nur eine kosmetische Lösung sei. "Wir schaffen keine neuen Geschäfte, wir machen nur die alten unsichtbar", sagt ein Stadtplaner. "Bald werden wir in den Innenstädten nur mehr Schaufenster ohne Inhalt haben, weil die Geschäfte so klein geworden sind, dass sie durch die Scheiben fallen."
Die EU-Kommission kontert, dass die Schrumpf-Verordnung zumindest eines bewirke: Sie verlangsame das Geschäfte-Sterben. "Früher starben pro Jahr 1,4 Prozent der Handelsflächen, jetzt sterben sie nur mehr im Zeitlupentempo", sagt ein EU-Sprecher. "Das ist ein Erfolg, den man in Prozent ausdrücken kann."
Unternehmen, die ihre Geschäfte schließen wollten, müssen nun nachweisen, dass sie sich nicht mehr verkleinern lassen. "Wir haben schon Geschäfte gesehen, die nur noch 2 Quadratmeter groß waren", berichtet ein Handelsinspektor. "Da kann man höchstens noch einen Automaten reinstellen oder einen sehr, sehr kleinen Friseur."
Die neue Schrumpf-Verordnung hat auch Auswirkungen auf die Immobilienbranche. Wo früher ganze Einkaufszentren standen, entstehen jetzt "Einkaufspunkte" - Ansammlungen von Mini-Geschäften, die nur mehr mit der Lupe zu erkennen sind. "Wir nennen das 'Retail-Kompaktierung'", sagt ein Immobilienexperte. "Platz sparend und energiesparend."
Die Verbraucher zeigen sich gespalten. Während die einen die neue Vielfalt an Mini-Geschäften begrüßen, vermissen andere die alten großen Läden. "Ich finde es super, dass es jetzt so viele verschiedene Geschäfte gibt", sagt eine Kundin. "Früher bin ich in ein Geschäft gegangen und war fertig. Jetzt muss ich in zehn Geschäfte gehen, um das Gleiche zu kaufen. Das ist wie ein Stadt-Schatzsuche-Spiel."
Die EU-Kommission plant bereits die nächste Stufe der Schrumpf-Verordnung: die "Nano-Retail-Offensive". Dabei sollen Geschäfte so klein werden, dass sie in Handy-Hüllen passen. "Stellen Sie sich vor, Sie kaufen Ihr Handy und direkt in der Hülle ist schon ein Geschäft integriert", schwärmt ein EU-Planer. "Das ist die Zukunft des Handels - kompakt, mobil und unsichtbar."