Wenn Pfarrer Slawomir Czulak in Zukunft predigt, wird ihm womöglich der Text vom Leib fallen - denn am Leib hängt bereits das gesamte Fastentuch. Zumindest, wenn es nach Millstätter Künstlerin Carolin Berger geht, die den Geistlichen mit einem Messgewand ausstaffierte, das komplett mit dem heimischen Fastentuch bedruckt ist. Das Ergebnis: Ein wandelndes Altarbild, das selbst die schweigsamsten Kirchenbesucher zum Staunen bringt.
"Endlich können wir den Gemeindemitgliedern das Fastentuch näherbringen - und zwar in 1:1-Auflösung", frohlockt Berger, die bereits weitere Aufträge für Czulak parat hat. Die Kollegen in der Region sollen ebenfalls bald in der biblischen Pracht erstrahlen. "Warum nur ein Fastentuch in der Kirche hängen, wenn man gleich mehrere auf den Pfarrern tragen kann?" fragt sie rhetorisch - und liefert gleich die Antwort: Gar kein Grund.
Der Pfarrer selbst zeigt sich begeistert von seiner neuen textilen Auferstehung. "So etwas tragen zu können – das kommt auf der Welt selten vor", schwärmt er und fügt hinzu: "Wenn ich mich umdrehe, kann ich sogar von hinten predigen." Die Idee, das Messgewand auch dem Papst zu schenken, versteht sich von selbst: "Wenn Franziskus schon für Nachhaltigkeit und Recycling wirbt, passt ein Fastentuch-Gewand doch perfekt."
Während Kritiker das Ganze als "modischen Exzess" bezeichnen, sieht Berger darin eine logische Weiterentwicklung der Liturgie. "Warum sollen nur die Wände etwas zu sehen bekommen? Die Gemeinde verdient auch 360-Grad-Bibelkunst." Und sollte der Papst das Geschenk annehmen, bahnt sich eine textile Revolution an: Vatikanischer Zeremoniell-Experte Giorgio Bianchi bestätigt bereits: "Wir prüfen, ob sich das Muster auch auf die Tiara übertragen lässt. Vielleicht wird der Papst ja zum laufenden Kalender der katholischen Heilsgeschichte."
Die nächste Fastenzeit dürfte spannend werden - nicht nur wegen der Buße, sondern wegen der Frage: Wer trägt das größere Tuch? Die Wände oder die Würdenträger?